Auslandsstudium: So planst du Gastsemester, PJ-Tertial oder Famulatur in der Ferne

Auslandstudium Heilberuf
  • Studium & Lernen
  • 01.04.2021

Für ein Jahr nach Paris, im PJ nach Sidney, für eine Famulatur nach New York: Ein Auslandsaufenthalt ist ein einmaliges Erlebnis, macht sich gut im Lebenslauf und poliert deine Sprachkenntnisse auf. Doch der Schritt ins Unbekannte beginnt ganz unabenteuerlich: mit viel Organisation. Was steht auf deiner To-do-Liste, bevor es losgeht?

Für längere Zeit im Ausland zu leben, ist nie wieder so einfach wie im Studium. Rund ein Viertel der Studierenden human- und gesundheitswissenschaftlicher Fächer* nutzt diese Chance, wie die KOAB-Absolventenbefragung 2017 zeigt. Du hast Lust, dich ihnen anzuschließen? Dann starte möglichst früh damit, Pläne zu schmieden. Denn für Heilberufs-Studierende gelten teilweise besondere Bedingungen.

*ohne Pharmazie und Veterinärmedizin
 

1. Finde dein Traumziel

Je früher du beginnst, dich nach Studienangeboten im Ausland umzusehen, desto besser. Mit einem Jahr Vorlauf solltest du auf jeden Fall rechnen. Möchtest du alles selbst organisieren und nicht auf Uni-Partnerschaften bauen, startest du besser noch zeitiger.

Wohin deine Reise geht und für wie lange, hängt davon ab, was du mit deinem Auslandsaufenthalt bezweckst. Deine Sprachkenntnisse kannst du am besten perfektionieren, wenn du ein ganzes Jahr in der Ferne verbringst. Dann hast du auch die Chance, Land und Leute ausgiebig kennenzulernen. Scheust du dich davor, so viel Zeit zu investieren und Leistungsscheine in einer Fremdsprache zu erwerben, kannst du auch ein PJ-Tertial oder Pflichtpraktikum im Ausland absolvieren.

Wenn du die Wahl zwischen mehreren Studienorten hast, kann das Renommee der jeweiligen Hochschule ein Entscheidungskriterium sein. Erste Anhaltspunkte liefern internationale Ranglisten wie U Multirank oder Times Higher Education World University Rankings. Die Platzierung einer Hochschule sagt aber nicht viel darüber aus, wie gut man dort als ausländischer Gast zurechtkommt. Sprich lieber zusätzlich mit Ehemaligen oder lies Erfahrungsberichte im Internet. Auch kann es sich lohnen, die sozialen Medien zu durchstöbern: Was berichten Studierende an deiner Wunsch-Uni über ihren Alltag auf dem Campus?

Seien wir ehrlich: Du wirst dir am ehesten einen Ort aussuchen, an dem du auch private Interessen ausleben kannst. Vom Ski-Langlauf in Norwegen über eine Rundreise durch Japan bis zur Bergtour im Himalaya ist vieles drin.

Überlege dir außerdem, wie du dir deinen Alltag im Ausland vorstellst. Zieht es dich in eine Millionenstadt, wo du viele Eindrücke sammeln kannst, aber eher anonym lebst? Oder ist dir eine kleinere Ortschaft und Uni lieber, weil es dort familiärer zugeht und du dich mehr aufs Lernen konzentrieren kannst?
 

Wenn du ein oder zwei ganze Semester in der Fremde studierst, stellst du dich einer echten Herausforderung. „Man muss neue Fachinhalte im Zeittakt der Muttersprachler lernen und in einer Sprache, die man anfangs nur mit Mühe versteht“, sagt Volkhard Fischer, Erasmus-Koordinator an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Er rät dazu, ab dem vierten Semester ins Ausland zu gehen, wenn schon genug Wissen vorhanden ist, und ein ganzes Jahr zu bleiben. „Die Studierenden brauchen meistens das erste Semester, um sich einzuleben. Und es geht ja auch darum, das Land und die Mentalität der Menschen kennenzulernen.“ Aus seiner Sicht sollte es nicht das Hauptziel sein, fleißig Scheine zu sammeln. Der Koordinator berichtet von einer Studentin, die mit beeindruckenden Leistungen aus Madrid zurückkehrte. Ein Jahr später reiste sie als Touristin wieder dorthin: „Sie hatte von der Stadt eigentlich nichts gesehen.“

Also lieber weniger Scheine machen, und dafür solche, die in der Heimat auch anerkannt werden. „Dabei sind die Studierenden auf die Unterstützung ihrer Austausch-Koordinatoren angewiesen“, so Fischer. Je nach Land und Hochschule sind die Studiengänge anders aufgebaut. „Wenn ein Medizinkurs im Ausland zum Beispiel ,Pharmakologie‘ heißt, entspricht das dann unserem Leistungsnachweis in ,klinischer Pharmakologie‘ oder eher ‚Toxikologie / Pharmakologie‘? Das klären wir im Zweifel direkt mit der dortigen Studienleitung.“

Am einfachsten kannst du dein Gastsemester organisieren, wenn eine Partnerschaft mit einer ausländischen Hochschule besteht. Dann sind viele Fragen bereits geklärt, und der Weg zum Studienplatz ist relativ unbürokratisch. Häufig gibt es ein Stipendium oder andere finanzielle Vorteile obendrauf – etwa über das EU-Förderprogramm Erasmus oder durch bilaterale Verträge, beispielsweise mit Universitäten in den USA, die Gästen die Studiengebühren erlassen.

Seltener kommt es vor, dass Studierende ihr Auslandssemester auf eigene Faust organisieren. Das ist deutlich aufwändiger, denn du musst Studieninhalte, Platzangebot und Zulassungsregeln selbst recherchieren und in der Regel die gesamte Korrespondenz in der Landessprache bewältigen. Ist das überhaupt empfehlenswert? „Ja, vor allem dann, wenn man in ein Land möchte, das nicht an den üblichen Programmen beteiligt ist, zum Beispiel nach Südamerika“, erklärt Volkhard Fischer. „Sie brauchen dafür aber deutlich mehr Vorlauf. Zwei Jahre sollten es dann besser sein.“ Bist du im Studium also schon fortgeschritten, ist es für ein Auslandssemester als Freemover möglicherweise zu spät.
 

PJ-Tertiale sind relativ einfach zu organisieren. Im Fach Humanmedizin etwa existiert in den meisten europäischen Ländern etwas Vergleichbares wie das deutsche Praktische Jahr. Allzu spontan solltest du dich allerdings nicht entscheiden, denn wie in Deutschland musst du dein PJ-Tertial selbstständig organisieren. „Ein Jahr vorher würde ich spätestens beginnen, eine Ausbildungsstätte zu suchen“, rät Koordinator Volkhard Fischer von der MH Hannover. „Sie müssen sich nicht nur mit der Klinikleitung verständigen, sondern auch mit der Verwaltung. Möglicherweise brauchen sie ein spezielles Visum. Oder eine Klinik verlangt eine Haftungsübernahme von der Heimat-Uni. Das alles zu erledigen dauert seine Zeit.“ Die Studienleistung hinterher anerkennen zu lassen sei dann wieder recht unproblematisch. Darum sind PJ-Tertiale im Ausland beliebt. An der MHH nutzen laut Volkhard Fischer rund 30 Prozent der Studierenden diese Möglichkeit.
 

Willst du kein ganzes Semester investieren, kannst du dich für ein Auslandspraktikum entscheiden. Wie beim PJ-Tertial setzt das Eigeninitiative voraus. Koordinatoren deiner Uni können dich in der Regel nur beraten, aber nicht praktisch unterstützen, da die Famulatur kurioserweise nicht als Lehrveranstaltung gilt. Volkhard Fischer von der MH Hannover rät von exotischen Plänen ab: „Zum Beispiel ist es schwierig, sich ein Praktikum bei einem in Afrika niedergelassenen Arzt anerkennen zu lassen. Wenn Sie Erfahrungen außerhalb Europas sammeln wollen, dann lieber im PJ, da bekommen Sie mehr Unterstützung von Ihrer deutschen Uni. Oder Sie machen die Famulatur zusätzlich zu der notwendigen Mindestzahl.“

Ganz auf dich gestellt bist du aber auch nicht, wenn du eine Famulatur im Ausland suchst. Für Heilberufs-Studierende gibt es spezielle Praktikumsbörsen. Eine zentrale Anlaufstelle für Humanmedizin-Studierende ist die Internetseite der bvmd. Hier findest du Angebote aus aller Welt, von Australien bis Zimbabwe. Gelistet sind unter anderem Austauschplätze der International Federation of Medical Students' Associations, die jährlich 15.000 Studierende in Famulaturen und Forschungspraktika vermittelt.

Die Auslandsseite des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden (BPhD) informiert über verschiedene Wege zum internationalen Praktikum – Forschungsaufenthalte eingeschlossen. Einer dieser Zugänge ist das IPSF Student Exchange Programme, ein klassischer Austausch: Es können jedes Jahr so viele Studierende ins Ausland gehen, wie umgekehrt aus anderen Nationen nach Deutschland kommen. Über die European Association of Hospital Pharmacists (EPSA) kannst du dich außerdem für Pharmazie-Praktika in Kliniken innerhalb Europas bewerben.

Speziell an angehende Zahnärzte richten sich die Hilfsprojekte des Zahnmedizinischen Austauschdienstes (ZAD), die regelmäßig Famulanten einsetzen. Mit mobilem Gerät behandeln die Helfer zum Beispiel Dorfbewohner im Bolivianischen Dschungel oder versorgen Schulkinder in kambodschanischen Slums.

Für Tiermedizinstudierende bietet sich besonders das 16-wöchige kurative Pflichtpraktikum für einen Auslandsaufenthalt an. Andere Praktika sind meist an deutsche Verordnungen gebunden, etwa zur Lebensmittelhygiene; du solltest sie daher lieber in der Heimat absolvieren. Zur Orientierung, wo du was lernen kannst, sieh dir Erfahrungsberichte von ehemaligen Praktikanten auf den Seiten veterinärmedizinischer Fakultäten an. Plätze vermittelt zum Beispiel die International Veterinary Students‘ Association (IVSA).

Steht eine studentische Organisation hinter einem Praktikum, wird es relativ sicher anerkannt. Teilweise bekommst du auch einen finanziellen Zuschuss und Hilfe bei der Zimmersuche. Allerdings ist die Zahl der Plätze begrenzt. Bei begehrten Zielländern wie Großbritannien oder den USA ist es nicht verkehrt, dich bei mehreren Programmen oder über private Kontakte um ein Praktikum zu bewerben. Fächerübergreifend organisieren außerdem kommerzielle Anbieter wie Projects abroad Auslandspraktika – allerdings gegen Gebühren und in unterschiedlicher Qualität. Dass dein Prüfungsamt den Aufenthalt später absegnet, ist dann nicht gesagt.
 

Wer sein Englisch entrosten will, für ein Gastsemester Medizin-Französisch braucht oder eine Fremdsprache von Grund auf lernen möchte, macht bei einem Kurs im Ausland schnelle Fortschritte. Informationen über Sprachkurse ohne fachlichen Bezug hat der DAAD auf seiner Seite zusammengestellt – darunter auch Angebote, die dich für ein Sprachzertifikat fit machen. Suchst du einen Kurs speziell für dein Studienfach, wende dich zunächst an die Studienberatung deiner Fakultät. Falls man dir dort nicht weiterhelfen kann, recherchiere selbst im Internet. Vor allem kommerzielle Seiten wie Language International bieten entsprechende Kurse an.
 

Wenn Sie Erfahrungen außerhalb Europas sammeln wollen, dann lieber im PJ, da bekommen Sie mehr Unterstützung von Ihrer deutschen Uni. Oder Sie machen eine Famulatur zusätzlich zu der notwendigen Mindestzahl.

Volkhard Fischer, Erasmus-Koordinator MH Hannover


2. Check deine Finanzen

In einigen Ländern ist das Leben günstiger, anderswo noch teurer als in Deutschland – hierzulande geben Studierende um die 870 Euro im Monat aus. Beispielsweise kommt man laut DAAD in Portugal schon mit monatlich 500 Euro über die Runden, in Belgien mit etwa 750 Euro. Dagegen musst du in Großbritannien mit umgerechnet bis zu 1.400 Euro rechnen, abhängig von der Region. Eventuell kommen dann noch Studiengebühren oben drauf, falls sie dir als Gast nicht erlassen werden.

Wer finanziellen Spielraum hat, kann vor dem Auslandsaufenthalt Geld zurücklegen. Sich neben dem Studium den Lebensunterhalt selbst zu verdienen, ist in der Fremde noch anstrengender als in Deutschland. In anderen EU-Ländern darfst du im Prinzip ohne gesonderte Erlaubnis neben dem Studium jobben. Außerhalb der EU brauchst du oft ein spezielles Visum, was zum Beispiel in den USA recht kompliziert ist. Um den Schritt ins Ausland finanziell zu erleichtern, gibt es daher staatliche Zuschüsse. Mit einem Stipendium kannst du dir zusätzlich Luft verschaffen.

Auch wenn du in Deutschland kein BAföG erhältst, hast du vielleicht Anspruch auf Auslands-BAföG – zumindest auf einen kleinen Zuschuss. Oft deckt das BAföG auch die Studiengebühren ab, sofern keine Uni-Partnerschaft besteht. Gefördert werden auch studienbezogene Praktika. Wichtig ist, dass du deinen Antrag mindestens ein halbes Jahr vor deiner Abreise stellst. Je nach Zielland ist ein anderes Studierendenwerk für das BAföG zuständig. Hier kannst du recherchieren, wohin du dich wenden musst.

Alternativ oder zusätzlich zum Auslands-BAföG kannst du dich um ein Stipendium bemühen. Wichtig ist auch hier das Timing: Um ein Vollstipendium des DAAD zu ergattern, solltest du dich rund ein Jahr vor deinem Auslandsaufenthalt bewerben, selbst wenn du noch gar keine Zusage von der ausländischen Uni hast. Abspringen kannst du später immer noch. Welche Förderer es neben den großen Playern DAAD und Erasmus gibt – auch speziell für Heilberufler – liest du hier auf ScrubsMag.  

Wenn alle Stricke reißen, kannst du dein Budget auf Pump aufbessern. Das geht beispielsweise mit einem zinsgünstigen Bildungskredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW oder einem Darlehen einer privaten Bank. Der apoStudienkredit etwa richtet sich speziell an Studierende höherer Semester. Für deinen Auslandsaufenthalt treibst du so kurzfristig bis zu 15.000 Euro auf.

3. Erfolgreich bewerben

Du hast einen oder mehrere Studienorte ins Auge gefasst. Jetzt gehst du ins Rennen um die begehrten Plätze. Trage dir die Fristen dick in den Kalender ein. Denn damit nichts anbrennt, solltest du deine Unterlagen nicht auf den letzten Drücker abgeben. So hast du Zeit, falls du etwas nachreichen musst.

Stelle sicher, dass du alle Zulassungsvoraussetzungen genau kennst. Hast du das nötige fachliche Niveau, in welcher Form musst du es nachweisen, musst du dich selbst um ein Visum kümmern, et cetera? Vergleichsweise einfach kannst du diese Punkte klären, wenn du dich um einen Platz an einer Partnerhochschule oder deiner Uni bewirbst. Dann erhältst du die Informationen direkt im International Office oder bei der Studienberatung deiner Fakultät. Bewirbst du dich auf eigene Faust, musst du dich in der Regel direkt an die Verwaltung deiner Wunsch-Universität oder Ausbildungsstätte wenden.

Bemühst du dich eigenständig um einen Studien- oder Praktikumsplatz im Ausland, musst du einige E-Mails in der Landessprache schreiben. Ein gutes Online-Übersetzungstool macht das deutlich einfacher, etwa der Dienst Deep L. Falls du einen Lebenslauf einreichen musst, informiere dich darüber, welche Formalien in deinem Wunschland gelten. Hinweise dazu findest du beispielsweise hier. Ein Motivationsschreiben musst du eher selten verfassen. In der Regel genügt ein Standardbrief, in dem steht, welchen Aufenthalt du planst und in welchem Zeitraum. Meistens erhältst du dafür eine Vorlage im International Office oder von der Institution, bei der du sich bewirbst.

Manche Studienorte sind so beliebt, dass einige Bewerber immer leer ausgehen. „Höhere Semester haben bei der Vergabe Vorrang“, erklärt Erasmus-Koordinator Volkhard Fischer von der MH Hannover. „Wenn es im ersten Anlauf nicht klappt, können Bewerber entweder ein Jahr warten – oder wir finden zusammen eine Alternative. Statt nach Madrid geht man dann vielleicht zur anderen Partner-Uni nach Alcalá. Oder die Heimathochschule schließt einen neuen Vertrag mit der Universität in Sevilla. Viele entscheiden sich dann auch für ein PJ-Tertial anstelle eines Auslandssemesters.“ Solche Verträge bräuchten ein gutes Jahr zusätzlichen Vorlauf, so der Studienberater. „Insbesondere dann, wenn die Gastuni viele Anfragen hat.“

4. Mach dich bereit

Du hast die Zusage? Herzlichen Glückwunsch! Jetzt läuft der Countdown für dein Auslandsabenteuer. So bereitest du dich vor.

Üblicherweise hast du schon bei deiner Bewerbung nachgewiesen, dass du die Landes- oder Studiensprache beherrschst. Einige ausländische Hochschulen verlangen zusätzlich ein Sprachzertifikat, das du manchmal schon bei der Bewerbung einreichen musst, manchmal erst nach deiner Zusage. Im International Office erfährst du, wo du entsprechende Kurse belegen kannst. Einen Überblick über verschiedene Zertifikate bietet dir der DAAD.

Auch wenn du kein Zertifikat vorweisen musst, ist ein Sprachkurs empfehlenswert. Denn im Ausland hakt es anfangs vor allem beim Hörverständnis und beim spontanen Sprechen. Sicher entdeckst du ein passendes Angebot an deiner Uni, an der Volkshochschule oder einem privaten Institut in deiner Stadt. Kostenlose Kurse in Medical English kannst du zum Beispiel auch bei der apoBank belegen. Eine Alternative für Studierende, zeitlich flexibler sein möchten, sind Lern-Apps und Online-Kurse. Hier findest du einen Testbericht, der verschiedene Anbieter vergleicht.

Um dich auf das Tagesgeschehen in deinem Zielland einzustimmen, kannst du Newsfeeds und Podcasts dortiger Medien abonnieren. Ganz altmodisch, aber nicht weniger hilfreich sind „Sprach-Tandems“ mit Gaststudierenden, die ihr Deutsch verbessern wollen und dir helfen, dich in ihrer Sprache fließender zu unterhalten.

Am einfachsten machst du es dir mit einem Platz in einem Studentenwohnheim, das du dir in der Regel von der ausländischen Uni vermitteln lassen kannst. Ist dir das Campusleben auf Dauer doch zu viel, kannst du dich vor Ort nach einem WG-Zimmer umsehen. Informiere dich am besten vorab über die Kündigungsfrist für deinen Wohnheimplatz.

Oft vermitteln ausländische Unis auch private Zimmer in Wohngemeinschaften oder Familien. Hier bist du relativ sicher, dass du gut unterkommst, und kannst dir von der Hochschule vor Ort einfach helfen lassen, falls du doch nicht zufrieden bist. Seriöse Wohnungsagenturen leisten das ebenfalls, verlangen allerdings eine Provision. Willst du dich lieber selbst auf die Suche machen, solltest du früher anreisen und dir eine Touristen-Unterkunft nehmen, um angebotene Zimmer zu besichtigen. Von Deutschland aus solltest du keinen Vertrag unterschreiben und schon gar keine Kaution oder Miete überweisen – auf dem WG-Mietmarkt tummeln sich viele Betrüger. Willst du dich vorab über das Preisniveau, günstige Lagen etc. informieren, sind globale Immobilienportale wie Housinganywhere oder lokale Social-Media-Gruppen hilfreich, wo Zimmer angeboten werden.

Dein eigenes WG-Zimmer in Deutschland kannst du während deiner Zeit im Ausland relativ leicht weitervermieten. Einschlägige Webportale wie WG gesucht oder Vermittlungsagenturen wie die Mitwohnzentralen kennst du vielleicht schon von deiner Wohnungssuche in Deutschland.

Wenn du für mindestens ein Semester weg bist, kannst du dich für diese Zeit an deiner Heimat-Uni beurlauben lassen, üblicherweise während der Rückmeldefrist. Dein Auslandsaufenthalt wird dann nicht auf deine Regelstudienzeit angerechnet. Du bleibst aber immatrikuliert und krankenversichert; auch das Kindergeld wird gegebenenfalls weitergezahlt. Wer BAföG bezieht, muss allerdings Auslands-BAföG beantragen, das regelt sich nicht automatisch.

Visum und Pass: Bleibst du innerhalb der Europäischen Union, benötigst du keine besonderen Papiere außer deinem Personalausweis. Für andere Länder brauchst du ein Studentenvisum und einen Reisepass. Kümmere dich zeitig um diese Formalitäten, denn es kann ein paar Monate dauern, bis du ein Visum erhältst. Normalerweise beantragst du es bei der Botschaft oder in einem speziellen Servicebüro des ausländischen Staats. Oft musst du neben deiner Hochschulzulassung nachweisen, dass du über genügend Einkommen verfügst. Es ist also von Vorteil, wenn du schon weißt, wie du deinen Auslandsaufenthalt finanzierst. Beachte auch, dass dein Reisepass lange genug gültig ist – für manche Visa muss er noch längere Zeit nach deiner geplanten Heimreise aktuell sein.

Führerschein: Du möchtest im Ausland einen Pkw nutzen? Innerhalb der EU und dem Schengen-Raum gilt deine deutsche Fahrerlaubnis. Für andere Länder brauchst du üblicherweise einen internationalen Führerschein. Recherchiere im Netz, welche Regeln in deinem Zielland gelten.

Viele kennen es aus dem Urlaub: Geldabheben im Ausland kann teuer sein. Informiere dich, ob du mit deiner Bank- oder Kreditkarte in deinem Zielland gebührenfrei Geld ziehen kannst, und wenn ja, bei welchen Instituten. Nutzt du Mobile Payment, informiere dich, ob du mit deiner App auch im Ausland weiterkommst – und ob dich das etwas kostet.

Es kann günstiger sein, gleich ein Konto im Ausland zu eröffnen. Wenn du regelmäßig Überweisungen tätigen musst, etwa an deinen Vermieter, sparst du damit Gebühren. Und du kannst leichter Geld empfangen, zum Beispiel wenn du im Ausland einer Arbeit nachgehst.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall, dass du mehr als ein Zahlungsmittel parat hast, falls du eine Karte verlierst oder bestohlen wirst. Verlässt du den Euro-Raum, solltest du zu Beginn auch genug Bargeld in der Landeswährung bei dir haben.


Bist du in Deutschland gesetzlich krankenversichert, übernimmt deine Kasse üblicherweise auch deine Grundversorgung im EU-Ausland. Der GKV-Spitzenverband informiert darüber, welche Leistungen abgedeckt sind und was du beachten musst, wenn du im Ausland arbeitest. Solltest du privat versichert sein, informiere dich direkt bei deiner Versicherung über die Konditionen.

Es kann jedoch sinnvoll sein, dich zusätzlich privat zu versichern. Denn zum Teil fallen im Ausland höhere private Zuzahlungen an. Auch ein Krankentransport in die Heimat ist in der Regel nicht abgedeckt. Auslandskrankenversicherungen gibt es viele – da musst du einfach durch und fleißig vergleichen. Manche Angebote beinhalten eine Unfall- und Haftpflichtversicherung (etwa das des DAAD), die nicht immer nötig sind. Frag erst einmal deine Eltern, ob du über sie bereits haftpflicht- oder unfallversichert bist und ob dieser Schutz auch im Ausland gilt.

In einigen Ländern musst du bestimmte Schutzimpfungen vorweisen, um einreisen zu können. Informationen dazu findest du beim Auswärtigen Amt. (Je nach Reiseland empfiehlt sich dort auch ein Blick auf die aktuellen Sicherheitshinweise, denn Universitäten sind nicht verpflichtet, dich über die Lage vor Ort auf dem Laufenden zu halten.) Wenn du schon deinen Impfpass zur Hand nimmst, kannst du gleich nachsehen, ob du deine Standardimpfungen auffrischen solltest.

Dein erster Tag an der ausländischen Uni oder in deinem Praktikum rückt näher. Am besten, du reist etwas früher an. So kannst du mit deiner Umgebung und der Landessprache schon einmal warm werden, erste Erledigungen machen und eventuell eine Bleibe suchen. Wenn du deine Hin- und Rückreise buchst, kommst du normalerweise umso günstiger weg, je früher du zuschlägst. Reist du mit dem Flieger, überlege dir, ob du die Emissionen kompensieren möchtest. Und auch wenn dir das ein bisschen spießig vorkommt: Je teurer die Tickets, desto eher lohnt sich eine Reiserücktrittsversicherung.

Koste die Gelegenheit aus, um Land und Leute kennenzulernen. Nutze Ferienzeiten, um zu reisen, Flamenco-Stunden zu nehmen, Berge zu erklimmen, zu surfen oder was das Land sonst an Erlebnissen zu bieten hat. Lass dich inspirieren von den Geschichten, die Rückkehrer erzählen oder leg dir eine Travel-App zu. So kannst du schon in Deutschland Pläne schmieden und musst im Ausland keine Angst haben, etwas zu verpassen.

Gehörst du zu denjenigen, die vor einer Reise hibbelig werden, beruhigt dich eine Checkliste für den großen Tag. Schreib alles auf, was du außer Gepäck und Verpflegung unbedingt brauchst:

  • Dokumente (Flugtickets, Visum, Ausweis/Pass, Impfpass, Unterlagen der Uni etc.)
  • Ticket für die Fahrt zum Flughafen oder Bahnhof
  • Notizen zur Orientierung vor Ort (Wie kommst du zur Unterkunft? Welche Buslinien gibt es? Wo bekommst du deinen Wohnungsschlüssel? Telefonnummer deines Vermieters?)
  • Notfall-Unterkunft (falls mit deinem Zimmer etwas nicht stimmt)
  • Bank-/Kreditkarte und Bargeld in der Landeswährung (für Bus, Bahn, Verpflegung)
  • Handy und Netzteil, eventuell Infos zu ausländischen Mobilfunkanbietern

Auf ins Abenteuer!