Zu viel Drama

Symbolbild
  • Beruf & Karriere
  • 30.12.2018

Als Jugendliche wollte Elisabeth Fröb unbedingt zum Film. Jetzt ist sie Assistenzärztin am Universitätsklinikum Münster – und berät nebenbei die Macher der ARD-Serie „Die jungen Ärzte“. An welchen Stellen Realität und Fiktion auseinander driften und wie sie für eine Annäherung sorgt, erzählt Elisabeth im Interview.

„Emergency Room“ oder „Der Bergdoktor“ – welche Arztserie schauen Sie gern?

Ehrlich gesagt, keine von beiden. Wobei ich „Emergency Room“ früher tatsächlich sehr gern gesehen habe. Aber seit ich tagtäglich selbst den Klinikalltag erlebe, schaue ich lieber Serien und Filme, die nichts mit Medizin zu tun haben.
 

Elisabeth Fröb, 28 ist Assistenzärztin in der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Münster.
 

Wie kommt’s?

Ich kann einfach besser vom Job abschalten, wenn ich was Fachfremdes gucke. Außerdem sind die Serien meist so weit vom echten Medizineralltag entfernt, dass mich das Einschalten eher nervt. Zu viel Drama, zu viel Fiktion.

Dabei wollten Sie ursprünglich Schauspielerin werden ...

Oh ja! Als Jugendliche war das ein Traum von mir. Meine Eltern fanden die Idee allerdings wenig überzeugend. Sie haben mir zu etwas Handfesterem geraten. Nach einem Intermezzo als Lehramtsstudentin und einem Praktikum in der Arztpraxis meiner Mutter habe ich mich für die Medizin entschieden. Und bin damit sehr zufrieden.

Die Liebe zum Film hat Sie aber auch als Medizinstudentin nicht verlassen. Sie arbeiten als Fachberaterin der ARD-Serie „Die jungen Ärzte“. Wie kam es dazu?

Das war Zufall. Ich steckte mitten in einer Studienarbeit und hatte auf Facebook gesehen, dass Komparsen für die Dreharbeiten in Erfurt gesucht werden. Beim Vorsprechen sollte man sagen, was man beruflich macht, und als ich erzählte, dass ich Medizin studiere, wurde das Team hellhörig. Denen war kurz zuvor die Fachberatung abgesprungen und sie suchten dringend Ersatz.

Wobei beraten Sie denn am Set?

Zum Serienstart ging es um die komplette Einrichtung des Sets, mit Intensivstation und OP – inklusive aller Geräte. Ich habe tagelang in Katalogen geblättert, um daraus Medizingeräte zu bestellen, und mir im Krankenhaus jedes Detail der Einrichtung angeschaut. Später habe ich den Schauspielern geholfen, medizinische Begriffe richtig auszusprechen, und gezeigt, wie Blutabnehmen oder eine körperliche Untersuchung real aussehen. Und ich habe die Drehbücher daraufhin geprüft, wie realistisch die medizinische Vorgehensweise ist.

Was ist denn ein typisches TV-Missverständnis?

Oft geht es um Details. Bei einer Notfall­szene zum Beispiel lag ein Patient mit Herzstillstand am Boden und sollte per Defibrillator reanimiert werden. Da habe ich darauf hingewiesen, dass in der Realität erst Adre­nalin gespritzt und so ein Kammerflimmern erzeugt werden müsste. Bei Herzstillstand geht vom Herzen keine elektrische Aktivität mehr aus, die „schockbar“ wäre. Die Szene wurde umgeschrieben.

Haben Sie nur beraten oder waren Sie auch mal vor der Kamera?

In der ersten Staffel von „Die jungen Ärzte“ bin ich tatsächlich in einigen Folgen als Statistin zu sehen, einmal sogar mit einer kleinen Sprechrolle.

Bereuen Sie manchmal, dass Sie nicht Vollzeit-Schauspielerin sind?

Nein, nicht wirklich. Die Arbeit am Uniklinikum mit den Patienten macht mir Riesenspaß. Ich möchte gern meinen Facharzt machen und im Bereich Herzinsuffizienz forschen. Das finde ich deutlich erfüllender als das Schauspielern.

Haben Sie bei der Arbeit trotzdem manchmal einen Filmarzt als Vorbild im Kopf?

Mark Greene aus „Emergency Room“. Er ist vielleicht nicht gerade mein Vorbild, aber ich finde, er kommt einem echten Arzt schon sehr nahe. Er ist kein George Clooney, überzeugt aber durch Kompetenz, Fachwissen, Ruhe und Menschlichkeit. Das mochte ich an dem Seriencharakter und habe tatsächlich ähnliche Typen schon im echten Klinik­alltag erlebt.

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