Kampf ums Treppchen

  • Studium & Lernen
  • 13.09.2018

Hochschul-Ranglisten sollen Bewerbern helfen, die besten Lehrangebote zu finden. Studierendenvertreter der Heilberufe sehen Vergleiche wie das CHE-Ranking kritisch. Was bringen die Uni-Charts?

Wer sich in Deutschland um ein heilberufliches Studium bewirbt, hat in der Regel nicht die freie Auswahl zwischen den Hochschulen. Doch immerhin sechs Studienorte können Bewerber bei der Stiftung für Hochschulzulassung favorisieren. Das will gut überlegt sein. Hochschulrankings sollen die Entscheidung erleichtern.

Deutschlands bekannteste Uni-Bestenliste kommt Jahr für Jahr vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Das CHE-Ranking betrachtet rund 7.000 Studiengänge an 300 deutschsprachigen Hochschulen. Es ist damit detaillierter als andere Vergleiche. Diese beschränken sich zum Teil auf wirtschaftsnahe Studiengänge oder auf Forschungsleistungen. „Wir haben den Anspruch, die größten und beliebtesten Fächer möglichst differenziert zu bewerten“, erklärt CHE-Studienleiterin Petra Giebisch. Die Ergebnisse würden häufig fehlinterpretiert: „Wir erstellen kein Gesamt-Ranking, in das sämtliche erhobenen Angaben der Hochschulen einfließen. Studieninteressierte können online bis zu sechs Kriterien auswählen, die ihnen am wichtigsten sind, und die Hochschulen auf dieser Grundlage vergleichen.“ Wer zum Beispiel besonderen Wert auf den Bestand der Bibliothek oder die Wohnheimpreise legt, kann diese Aspekte ankreuzen und dafür andere ausklammern.
 

So funktioniert das CHE-Ranking

Seit 1998 veröffentlicht das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) jährlich eine Bewertung der Studienangebote in Deutschland. Alle drei Jahre lädt das Projektteam die heilberuflichen Fakultäten ein, sich neu daran zu beteiligen. Die Daten erhebt das CHE vor allem mit Fragebögen, die an Hochschulmitarbeiter und Studierende verteilt werden. Hinter dem Projekt stehen die Bertelsmann Stiftung, die Hochschulrektorenkonferenz und der ZEIT-Verlag als Medienpartner.

Kritik an Methoden und Wettbewerbsdenken

 
Elisabeth Schwarz

Näher hinzusehen empfiehlt auch Elisabeth Schwarz vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden (BPhD): „Das CHE-Ranking ist sinnvoller als andere Vergleiche, aber mit Blick auf die Pharmazie hat es Nachteile“, urteilt sie. „Bislang sind die Fragebögen nicht genug auf den Studiengang zugeschnitten.“ Beispielsweise sucht man Informationen zur Laborausstattung vergebens. Der BPhD wirkt darum aktuell im CHE-Fachbeirat mit, um die Kriterien zu überarbeiten. Mit Methodenkritik haben die Ranking-Macher jahrzehntelange Erfahrung und setzen sich damit offen auseinander.

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) stellt das jedoch nicht zufrieden. Sie ist gegen Hochschul-Rankings jeder Art und appelliert an die medizinischen Fakultäten, sich nicht zu beteiligen. „Ranglisten dieser Art untergraben das staatliche Bildungswesen, weil sie eine übermäßige Ökonomisierung der Hochschulen fördern“, findet Pauline Lieder, bvmd-Bundeskoordinatorin für medizinische Ausbildung. „Wir setzen uns ein für hochwertige Hochschulen in der Breite, nicht für mehr Wettbewerb und einzelne Exzellenzstandorte.” Aus ihrer Sicht lassen sich die Studienangebote im Fach Humanmedizin ohnehin kaum vergleichen, schon wegen der verschiedenen Modellstudiengänge. Die bvmd will selbst eine Alternative zu Rankings anbieten. Ein Projektteam arbeitet an einer Online-Plattform, die bald die öffentlich zugänglichen Daten und Fakten zu den deutschen Studienangeboten bündeln soll.
 

"Wir setzen uns ein für hochwertige Hochschulen in der Breite, nicht für mehr Wettbewerb und einzelne Exzellenzstandorte."
Pauline Lieder, bvmd


 

In einem Punkt sind sich die CHE-Projektleiterin und die beiden Studierendenvertreterinnen einig: Jede noch so detaillierte Übersicht kann nur einen ersten Eindruck vermitteln. Um genauer zu erfahren, wie es sich an einzelnen Fakultäten studiert, ist der beste Weg immer der direkte. Die Fachschaften oder die Informationstage der Hochschulen verraten mehr als der Blick in die Charts.
 

Greatest Hits?

Bekannte internationale Hochschul-Ranglisten messen vor allem Exzellenz in der Forschung:

  • Das Academic Ranking of World Universities („Shanghai Ranking“) wählt jährlich die 500 besten Hochschulen der Welt aus, basierend unter anderem auf der Zahl hochkarätiger Publikationen und Auszeichnungen.
  • Die Times Higher Education World University Rankings bewertet 1.000 Institutionen anhand von 13 Kriterien, etwa Lernbedingungen, Forschungsleistung und -einfluss sowie Wissenstransfer in die Wirtschaft.
  • U-Multirank, initiiert von der EU-Kommission, umfasst rund 1.600 Institutionen aus 95 Ländern, darunter 99 deutsche Hochschulen. Zur Bewertung werden auch Studierende befragt.

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