Wie sieht dein Traumjob aus?

  • Beruf & Karriere
  • 16.10.2018

Die Zahl der Pharmazieabsolventen steigt seit Jahren. Dennoch beklagen viele öffentliche Apotheken Nachwuchsprobleme. Wir haben Studenten gefragt, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen und ob sie die Arbeit hinter dem HV-Tisch reizt.

 

Laura Stock (24) studiert im achten Semester an der Freien Universität Berlin.

„Ich schätze sehr, was Apotheker in der Offizin machen, hätte aber Angst, dass mir die Arbeit dort auf Dauer zu langweilig wäre. Also zum Beispiel jeden Tag Ibuprofen und Nasenspray zu verkaufen. In der Industrie gibt es mehr Herausforderungen. Ich möchte nach dem Studium in Richtung Qualitätsmanagement gehen. Wenn ich in der Industrie arbeite, habe ich später immer noch die Möglichkeit, in eine Apotheke zu wechseln. Mich selbstständig zu machen kann ich mir aber nicht vorstellen, bei den hohen Schulden, die damit verbunden sind. Vielleicht denke ich in zehn Jahren anders darüber. Ich fände es auf jeden Fall gut, wenn wir schon im Studium mehr über wirtschaftliche Aspekte unseres Berufs lernen würden.“

 

Hannah Esser (26) macht im Sommer ihr drittes Staatsexamen an der Universität Bonn und hat kürzlich ihr PJ in einer öffentlichen Apotheke in Krefeld abgeschlossen.

„Mir ist der Kontakt zu Patienten sehr wichtig. Darum möchte ich nach meinem Abschluss in einer Offizin arbeiten. Als ich mein Studium begonnen habe,  war das noch anders: Ich wollte promovieren und in die Forschung gehen. Nach einigen Semestern habe ich aber gemerkt, dass es mir nicht liegt, so viel im Labor zu stehen. Pharmakologie und klinische Pharmazie haben sich als meine Lieblingsthemen entpuppt, weil man hier mit den Patienten arbeitet. Wobei ich sagen muss, dass mir die Praxis im Studium zu kurz kam. Im Hauptstudium könnte es mehr angeleitete Übungen mit Patienten geben. Die Arbeit in der Apotheke in meinem PJ war sehr abwechslungsreich. Das entsprach überhaupt nicht dem Vorurteil, dass man als Apotheker eine Art Supermarktverkäufer mit Uni-Abschluss ist. Jeder Patient ist anders. Ich habe viele Stammkunden bedient, die ich bald mit Namen kannte. Es ist schön zu erleben, wenn die eigene Beratung den Patienten etwas bringt. Ein besonders interessantes Feld, das ich kennengelernt habe, ist die Substitution: Ich habe Suchtkranke beraten und Arzneien nach Rezept für sie hergestellt. Das möchte ich gerne auch in Zukunft machen.“

 

Jonas Freudenreich (20) ist im vierten Semester seines Pharmaziestudiums an der Universität Marburg.

„Eine Arbeit im Krankenhaus finde ich interessanter als die in einer öffentlichen Apotheke. In der Klinik sind die Aufgaben abwechslungsreicher. Man geht auf die Station, man stellt Zytostatika und andere Medikamente her, kümmert sich um Bestellungen und Qualitätsmanagement. Es gibt auch neue Einsatzfelder für Apotheker im Krankenhaus. In Zukunft werden wahrscheinlich viele Kliniken Antibiotika Stewardships aufbauen, also spezialisierte Teams von Medizinern, Apothekern und Mikrobiologen, die behandelnde Ärzte bei der Antibiotikagabe beraten. In Niedersachsen gibt es außerdem eine Gesetzesinitiative, die vorsieht, dass jede Krankenhausstation einen eigenen verantwortlichen Apotheker braucht, um das Arzneimittelmanagement zu verbessern und Missbrauch zu verhindern. Insgesamt sehe ich die Zukunft positiv. Trotz der Debatten um Online-Apotheken ist die Pharmazie immer noch ein sicherer Beruf.“

 

Dorothea Hallier (21) studiert im sechsten Semester an der Universität Greifswald.

„Ich stamme aus einer Apotheker-Familie, bin also mit dem Beruf aufgewachsen. Pharmazie zu studieren war allerdings allein meine Entscheidung. Was meine berufliche Zukunft angeht, möchte ich mich noch nicht festlegen, finde aber die öffentliche Apotheke im Moment nicht so interessant. Zum Teil vielleicht, weil mir diese Arbeit sehr vertraut ist. Aber Unsicherheit spielt auch eine Rolle: Ich weiß nicht, wie der Versandhandel die Branche noch verändern wird. Das Tolle an der Pharmazie ist, dass ich in viele Richtungen gehen kann, zum Beispiel auch in die Politik, ins Krankenhaus oder zu einer Krankenkasse. Ich schließe gar nichts aus – auch nicht, irgendwann einmal Inhaberin einer Apotheke zu werden.“

 

Pharmazie im Wandel

Wie stellen sich junge Pharmazeuten und Mediziner ihr künftiges Arbeitsleben vor? Die Studie „Zukunftsbild Heilberufler 2030“ der apoBank, erschienen 2017, gibt Antworten. Eines der Ergebnisse: Immer mehr Pharmazeuten interessieren sich auch für Tätigkeiten in der Industrie, 34 Prozent der Befragten sind noch unsicher, wo die Reise langfristig für sie persönlich hingehen soll. Ein großer Teil bemängelt, dass das Studium kaum betriebswirtschaftliches Know-how vermittelt, das gerade für den Sprung in die Selbstständigkeit wichtig wäre. Die aktuellen Zahlen der apoBank zeigen, dass auch der Apothekenmarkt stark im Wandel ist: Einerseits steigt der Anteil preiswerter Apotheken, andererseits wird immer noch jede fünfte Offizin für hohe sechs- oder gar siebenstellige Kaufpreise an Nachfolger übergeben.

 

 

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