Landpartie 2.0: "Ich träume von einer Gemeinschaftspraxis auf dem Land"

Medizinstudentin Anna-Lena Heimer
Medizinstudentin Anna-Lena Heimer träumt von einer Gemeinschaftspraxis auf dem Land
  • Studium
  • 11.09.2017

Landluft schnuppern und die Arbeit in einer Hausarztpraxis kennenlernen - mit der "Landpartie 2.0" kein Problem. Über das Programm an der Goethe-Universität Frankfurt starten jedes Semester 15 Studierende in ihr Abenteuer Landarzt. Anna-Lena Heimer ist eine von ihnen.

Das Problem ist allgemein bekannt: Deutschlandweit mangelt es an Landärzten. Die Versorgung auf dem Land steht vielfach auf der Kippe. Um dem entgegenzuwirken hat das Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität in Kooperation mit den Landkreisen Bergstraße, Fulda und Hochtaunuskreis im Wintersemester 2016/2017 die "Landpartie 2.0" gestartet - ein Programm, in dessen Rahmen Studierende pro Semester ein zwei- bis fünftägiges Praktikum in einer hausärztlichen Praxis auf dem Land absolvieren. Sie decken damit automatisch und ohne Mehraufwand das klinische Wahlfach und das Blockpraktikum Allgemeinmedizin ab.

Landärzte - Feuer und Flamme für ihren Beruf

"Unser Ziel ist es, den Studierenden die hausärztliche Versorgung abseits der Metropolen nahe zu bringen", erklärt Linda Barthen, die das Projekt am Institut für Allgemeinmedizin betreut. "Hierzu kooperieren wir mit Praxen und Lehrärzten, die Feuer und Flamme für ihren Beruf sind." So hat es auch Anna-Lena Heimer erlebt, die im August ihr erstes Praktikum in einer Gemeinschaftspraxis in Wald-Michelbach (Landkreis Bergstraße) absolviert hat: "Die Ärzte auf dem Land strahlen aus, wie viel Freude sie an ihrem Beruf haben. Das hat mich stark beeindruckt."

Praxisbezug und Menschlichkeit - Argumente für die "Landpartie 2.0"

Die 25-Jährige Medizinstudentin hat sich aus verschiedensten Gründen für die "Landpartie 2.0" entschieden. "Besonders spannend finde ich natürlich den medizinischen Aspekt. Mein Bild vom Arzt ist nicht das eines Spezialisten, der immer nur eine Untersuchung macht. Ein Arzt sollte in meinen Augen den Menschen als Ganzes betrachten - auf allen Ebenen. Und genau das macht einen Landarzt aus." Auch die 1:1-Betreuung durch die Lehrärzte und der frühe Praxisbezug waren für Anna-Lena Pluspunkte der "Landpartie 2.0".

Mit jedem Praktikum steigt die Kompetenz

"Die 'Landpartie 2.0' ist so aufgebaut, dass die Studierenden sehr schnell kleinere Aufgaben in den Praxen übernehmen", berichtet Linda Barthen. "Wir haben ein spezielles Logbuch entwickelt, in dem die Lernziele pro Praxisphase festgehalten sind: Anamnese und körperliche Untersuchung, EKGs anlegen und beurteilen, Impfungen durchführen, Blut abnehmen etc. Dabei sollen von Praxisphase zu Praxisphase höhere Kompetenzebenen zu den Lernzielen erreicht werden. In der letzten Praxisphase betreuen die Studenten schließlich mindestens fünf Patienten selbstständig und stellen diese anschließend dem Lehrarzt vor."

Den hohen Praxisbezug kann Anna-Lena nur bestätigen: "Ich habe Ultraschalluntersuchungen gemacht, Anamnesegespräche geführt und eigene Diagnosen gestellt, die der Arzt dann gegengecheckt hat. Für mich war das ein großer Schritt. Schließlich konnte ich mein ganzes Wissen, das ich mir im Studium angeeignet habe, erstmals in der Praxis anwenden."

Flexible Arbeits- und Organisationsformen - ein Vorteil für Hausärzte

Beeindruckt ist die Medizinstudentin auch von der Flexibilität der niedergelassenen Mediziner. Im Vergleich zum stressigen und wenig selbstbestimmten Klinikalltag seien Hausärzte freier in ihren Entscheidungen, u.a. auch mit Blick auf die Arbeitszeiten. "In meiner Gemeinschaftspraxis hatten beide Ärzte eine Vier-Tage-Woche. Sie haben zwar Vollzeit gearbeitet und auch nach der Sprechstunde noch Hausbesuche gemacht - waren dafür aber so flexibel, dass sie einen Tag in der Woche frei hatten." Ein Pluspunkt, wenn man an die Vereinbarkeit von Job und Familie denkt.

Welche Optionen die hausärztliche Tätigkeit auf dem Land bietet, auch das ist ein Punkt, der in der "Landpartie 2.0" thematisiert wird: Einmal pro Jahr dürfen die Teilnehmer einen Tagesausflug zu innovativen Gesundheitsmodellen machen. "So sehen die Studierenden, welche Organisationsformen ihnen als Landärzte offen stehen - vom Medizinischen Versorgungszentrum über die Kooperation mit anderen Gesundheitsberufen bis hin zu innovativ geführten Gemeinschaftspraxen", erläutert Linda Barthen.

Am Ende steht: Der Traum von der Landarztpraxis

Ob die "Landpartie 2.0" tatsächlich zu mehr Landärzten führt, wird die Zukunft zeigen. Anna-Lena ist aber schon jetzt vom Land-Virus infiziert. "Ich träume von einer Gemeinschaftspraxis auf dem Land. Hier möchte ich leben und arbeiten", erklärt die Studentin. "Ich empfinde die Arbeit auf dem Land als stressfreier. Natürlich ist in einer Landarztpraxis viel los, keine Frage. Aber es herrscht eine gewisse Ruhe - anders als in Kliniken.“ Dazu kommt Anna-Lenas Liebe zur Natur. "Ich brauche das Grün um mich herum. Außerdem bin ich Gleitschirmfliegerin - und das geht in der Stadt nun wirklich nicht :-)."
 

Landpartie 2.0 im Überblick

Die "Landpartie 2.0" bietet die Möglichkeit, die hausärztliche Medizin in ländlichen Regionen bereits während des Studiums intensiv zu erleben. In ausgewählten Hausarztpraxen in den kooperierenden Landkreisen Bergstraße, Fulda oder dem Hochtaunuskreis absolvieren die Teilnehmer ein zwei- bis fünftägiges Praktikum pro Semester - in flexibler Absprache mit ihrer Praxis.

Die Praxisphasen werden von einem jeweiligen Vor- und Nachbereitungsseminar umrahmt. Damit decken die Studierenden automatisch Pflichtveranstaltungen wie das klinische Wahlfach und das Blockpraktikum Allgemeinmedizin ab. Weitere Bestandteile sind der ebenso verpflichtende Kurs Allgemeinmedizin sowie ein jährlicher Tagesausflug zu innovativen Modellen der Gesundheitsversorgung.

Weitere Informationen zur "Landpartie 2.0" findest du hier.

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