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Patientengespräch
  • Studium & Lernen
  • 09.01.2017

Frau Lepthien ist eine chronische Schmerzpatientin. Die 65-Jährige hat eine lange Leidensgeschichte und diverse Krankenhausaufenthalte hinter sich. Bei einem Arztgespräch über eine neue Therapie reagiert die Patientin aggressiv. Sie will nicht zuhören und auch nicht auf die Fragen ihres Gegenübers antworten. Wie verhält sich der behandelnde Arzt in dieser Situation?

Vor allem dürfe er die Patientin nicht gleich unterbrechen, sondern sollte sie ausreden lassen, rät Prof. Dr. Martin W. Schnell, Direktor des Instituts für Ethik und Kommunikation im Gesundheitswesen (IEKG). Tatsächlich unterbrechen Ärzte ihre Patienten leider immer noch viel zu häufig, ergeben diverse Studien. Nach ihren Erkenntnissen können maximal 26 Prozent der Patienten ihr Anliegen beim Arzt zu Ende bringen. Ursache hierfür ist natürlich der enorme Zeitdruck, unter dem Ärzte stehen.

Daher gibt es eine Empfehlung für die Arzt-Patienten-Kommunikation. „Gerade angesichts der großen Anzahl von Patientenkontakten sollte ein Gespräch möglichst effizient verlaufen“, sagt Dr. Andreas Steinfeld von der Uni Köln. „Wir empfehlen, das Gespräch zu strukturieren und gleich zu Beginn das Ziel der Besprechung zu nennen“.

Jammern kann helfen

Psychotherapeut Torsten Klatt-Braxein unterrichtet Studenten in ärztlicher Gesprächsführung. Er rät: „Wenn ein Patient pampig ist, bestätigen Sie ihm die Rechtmäßigkeit seiner Haltung und Meinung. Sie müssen förmlich in ein Boot mit ihm steigen. Wenn er über lange Wartezeiten schimpft, geben Sie ihm zu verstehen, dass er Recht hat. Halten Sie ihm aber auch den Spiegel vor und machen Sie ihm klar, dass man so nicht vorwärts kommt. Meistens beruhigen sich die Patienten dann schnell. Entwickeln Sie Aufmerksamkeit.“

Auch Erklärungen zu Untersuchungen oder Therapien sollte ein Arzt seinem Patienten nicht vorenthalten. „Erklärungen sind wichtig, sonst riskieren Sie, dass der Patient ausflippt. Und fragen Sie ihn auch, was er wissen möchte“, empfiehlt der Therapeut und Dozent. „Bringen Sie Nachrichten auf den Punkt. Und denken Sie daran, ein sprechender Mediziner ist ein guter Mediziner“, resümiert der Kommunikationstrainer.

Ohne Vertrauen keine Heilung

Die kommunikative Kompetenz wurde lange Zeit unterschätzt. Früher glaubte man, das Gespräch sei ein zusätzlicher Effekt zur Therapie. Heute weiß man, dass es dem Arzt obliegt, den Patienten davon zu überzeugen, wie wichtig ein bestimmtes Medikament oder eine Therapie für ihn ist. Zu den präventivmedizinischen Aufgaben eines Arztes gehört es deshalb auch, den Patienten zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten zu motivieren. Denn erst dadurch wächst das Vertrauen des Patienten in die Behandlung.

Das belegen u.a. die Erkenntnisse der Wissenschaftler des Instituts für Pharmakoökonomie und Arzneimittellogistik (IPAM). Sie ermittelten, dass 35 bis 50 Prozent der  Patienten nicht das tun, was ihnen der Arzt verordnet. Die Folge: Wird die Arzt-Patienten-Kommunikation vom Patienten als schwach bewertet, steigt das Risiko der sogenannten Therapieuntreue - und damit das Risiko, dass die Therapie erfolglos bleibt.

Üben, üben, üben

Die medizinischen Fakultäten haben auf diese Erkenntnisse reagiert. Sie bieten Humanmedizinern und Zahnmedizinern Seminare unterschiedlichster Ausrichtung an. Dazu gehören Arzt-Patientenkurse mit Dozentenbegleitung. Aber auch Videoanrufe in Arztpraxen, bei denen die Studierenden sowohl die Patienten als auch den Behandler befragen können.

Schauspieler im Einsatz

Bei Simulationsspielen mit Schauspielern etwa lernen Studierende der Universität Witten/Herdecke, auch in schwierigen kommunikativen Situationen ein strukturiertes Anamnesegespräch zu führen. „Vom ersten Semester an werden die Studenten bei uns darauf vorbereitet, auch die menschliche Seite des Patienten zu betrachten und dies in Einklang zu bringen“, erzählt Schnell.

Auch an der Kölner Uni ist ärztliche Gesprächsführung längst Pflicht. „Bei uns wurde das Thema im Jahr 2003 aufgenommen. Vorher existierte es faktisch nicht, sondern kam erst in der praktischen Ausbildung hinzu“, erzählt Christian Thrien vom Kölner Interprofessionelles Skills Lab und Simulationszentrum (KISS). „Eine Standardisierung wird von vielen Universitäten angestrebt“, ergänzt Thrien. „Aber wichtig ist vor allem, dass das Lehren von Kommunikationskompetenzen als verpflichtender Bestandteil des Curriculums an den Universitäten verankert ist.“

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