Chefin in der Chirurgie

Chirurgin im OP
Chirurgin im OP (Symbolbild)
  • Beruf & Karriere
  • 19.06.2018

Dr. Katja Staade ist Chefärztin einer chirurgischen Klinik. In ihrem Beruf bringt sie maximalen Einsatz und steckt privat zurück. Das hält sie auch für notwendig: Wer in der Chirurgie an die Spitze will, muss die Arbeit über alles stellen, so ihre Erfahrung. „Eine Soft-Karriere gibt es nicht“

Kinder malen sich ihre Traumberufe gern in den schönsten Farben aus. Eines dieser Wunschbilder zeigt den Arzt oder die Ärztin, die im OP souverän Leben retten und nach Feierabend noch genug Zeit haben, um Hobbys zu pflegen. Auch Katja Staade träumte früh davon, Chirurgin zu werden. Sie wollte jedoch wissen, wie es wirklich so ist im Krankenhaus: Schon als 14-Jährige jobbte sie für kleines Geld als Pflegehilfe in einer Gelsenkirchener Klinik. Diese Erfahrung hat ihr auf ihrem weiteren Berufsweg viel genützt.

Heute leitet Staade die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Helios Klinikum Niederberg. Wer mit ihr spricht, merkt schnell: Schönfärben will sie nichts. „Es gibt in der Chirurgie keine Soft-Karriere“, betont sie. In diesem Fach müsse man bereit sein, auf ein geregeltes Privatleben zu verzichten. Dauere eine OP fünf Stunden länger als geplant, sei da nichts zu machen: „Wer als Chirurg etwas werden will, muss sich nicht nur die Finger wund operieren, sondern auch viel Zeit in Fortbildungen und Konferenzen investieren.“ Nicht jeder Partner mache das mit; unter ihren Kollegen sei die Scheidungsrate nicht gerade gering. „Auch eine meiner Beziehungen ist deswegen schon gescheitert“, bekennt sie. Trotz der hohen Belastung kann sich die 47-Jährige keine bessere Arbeit vorstellen: „Ich liebe diesen Beruf. Ich freue mich immer, wenn ich operieren kann und wenn wir unsere Patienten wieder in ihr normales Leben zurückbringen.“

Um Macho-Chefs machte sie einen Bogen

Bei manchen Assistenzärzten von heute vermisst Staade einen gewissen Realitätssinn. Einige wüssten noch gar nicht, ob ihnen die Chirurgie überhaupt zusage. „Man sollte von Anfang an möglichst viele praktische Einblicke gewinnen. Machen Sie im Studium lieber eine Famulatur mehr, als sie müssen“, so ihr Rat. „Als Famulantin und später im AIP habe ich selbst geschaut, was die Chefs mir zutrauen und was ich mir selbst zutraue. Nur durch die Praxis wusste ich: Ich halte das körperlich und psychisch aus.“

Ob es klappt mit der Karriere, hängt der Chefärztin zufolge vor allem von der Eigeninitiative ab. Das gelte auch für Frauen, die in der Männerdomäne Chirurgie etwas werden wollen. Sie bestreitet nicht, dass Ärztinnen mit Interesse an der Chirurgie an einigen Häusern diskriminiert werden. Als Berufseinsteigerin wusste sie aus Kollegenkreisen: Es gibt Chefs, die keine Frauen einstellen. Um deren Kliniken machte die junge Ärztin einfach einen Bogen. Anders als damals, in den Neunzigerjahren, stünden die Chancen für Frauen heute etwas besser – weil sich die Gesellschaft weiterentwickelt hat; und weil der Personalmangel den Bewerberinnen in die Karten spielt. Als erfahrene Karrierestrategin legt Staade Studentinnen ans Herz, Kontakte zu Chefärzten aufzubauen, denen sie vertrauen. „Junge Männer gehen das meistens offensiver an und kommen auf diese Art eher an interessante Stellen“, so ihre Beobachtung.

Verantwortung lässt sich kaum teilen

Als Frau auf einem Chefarztposten ist Staade auch heute noch eine große Ausnahme. Im Helios Klinikum in Velbert gibt es nur noch zwei weitere Chefärztinnen und eine Sektionsleiterin – die übrigen 16 Leiter auf dieser Ebene sind Männer. Ein wesentlicher Grund ist nach Katja Staades Meinung die klassische Arbeitsteilung in Familien. „Viele junge Frauen auf dem Weg nach oben haben Probleme mit der Kinderbetreuung; teilweise möchten sie ihre Kinder auch selbst nicht abgeben. Es fällt vielen noch immer schwer, ihre Partner bei der Kinderbetreuung mehr in die Pflicht zu nehmen. Das müsste gesellschaftlich stärker akzeptiert werden“, fordert sie. Ihr selbst stellte sich dieses Problem nie, da sie keine Familie wollte. Für ihre Kollegen mit Kindern, meint sie, würde vieles schon leichter, wenn es mehr 24-Stunden-Kitas gäbe. Die Idee, dass sich zwei Führungskräfte eine Stelle teilen und so mehr Zeit fürs Privatleben erhalten, sieht die Abteilungsleiterin skeptisch: „Auf Oberarztebene mag das funktionieren, aber nicht bei Chefärzten. Ich stehe juristisch dafür gerade, was in meiner Klinik passiert. Es ist immer besser, selbst bei einer OP dabei zu sein, statt nur eine Dokumentation zu erhalten. Diese Verantwortung kann man nicht einfach teilen.“

 

Karriere zwischen Rhein und Ruhr

2012 übernahm Dr. Katja Staade ihre erste Chefarztstelle am Dominikus-Krankenhaus Düsseldorf. Seit 2017 leitet sie die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie bei Helios in Niederberg, Velbert. Die gebürtige Gelsenkirchnerin ist stark in der Region Rhein-Ruhr verwurzelt. Aus ihrer Heimatstadt zog es sie 1989 zum Studium nach Bochum. Auf das Examen folgte 1995 nahtlos eine Assistenzstelle in der Gefäßchirurgie am Marien-Hospital in Wesel. Nach weiteren Zwischenstationen trat Staade 2003 hier auch ihre erste Stelle als Oberärztin an. In leitender Funktion als Oberärztin war sie außerdem am Marien-Hospital Düsseldorf und im Helios Klinikum Wuppertal tätig.

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