Experte für Echsen

Kornelis Biron mit einem Siam-Krokodil (Foto: privat)
  • Beruf & Karriere
  • 17.07.2018

Er wurde Tierarzt, um seine Leidenschaft für Reptilien zum Beruf zu machen. Kornelis Biron ist einer der wenigen Veterinäre in Deutschland, die sich auf Kriechtiere spezialisiert haben.

Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Haustiere in deutschen Studentenbuden leben. Doch ziemlich sicher hätte Kornelis Biron jeden anderen Tierfreund seines Uni-Jahrgangs in den Schatten gestellt: Mit 40 Terrarien im Gepäck zog er in den 1990er Jahren für sein Studium von Düsseldorf nach Leipzig. Dort richtete er sich in einem alten Fabrikgebäude ein. Das bot genügend Platz für seine Schlangen und Echsen – und für die eigene Zucht von Mäusen und Insekten als Futter für seine Lieblinge. „Reptilien hatten für mich immer einen besonderen Reiz. Angefangen hat das wohl mit der Faszination für Dinosaurier in meiner Kindheit und mit der Beobachtung von Eidechsen im Urlaub“, erzählt der Veterinär. „Diese Tiere sind unglaublich vielfältig. Und jede Art zeigt eigene interessante Verhaltensweisen.“

Mit Katzen und Hunden kann sich Biron weniger anfreunden. Eine Wald- und Wiesenpraxis für alle Haustiere? Für ihn undenkbar. Sein Plan, Reptilientierarzt zu werden, stieß zu Beginn auf viel Skepsis. „Manche Professoren haben mich ausgelacht. Sie waren der Ansicht, dass man davon nicht leben kann“, erinnert sich der Spezialist. Die Zweifler lagen falsch. Kurze Zeit nach seinem Abschluss eröffnete Biron seine Praxis in Düsseldorf, und es dauerte nicht lange, bis die Kunden Schlange standen. Einzelne Reptilienbesitzer fahren auch heute noch quer durch die Republik, um ihre Tiere von dem Experten durchchecken zu lassen. „Viele sagen ganz klar, dass sie zu mir kommen, weil ich das nicht nur nebenbei mache, wie andere Kollegen“, so Biron.
 

Die Bartagame hat eine Kastration hinter sich und erhält ein entzündungshemmendes Schmerzmittel.

 

Praktikum in Florida: Wie lasert man Meeresschildkröten?

Seine Spezialisierung sieht er nicht als Geschäftsmodell für jedermann: Es sei keine Nische, in der sich leicht Geld verdienen lässt. „Man muss sich wirklich mit Reptilien auskennen“, betont er. „Wenn man dann die Praxisgründung vernünftig angeht, kann man davon leben.“ Die nötige Echsen-Expertise müssen sich Veterinäre weitgehend selbst aneignen, so Birons Erfahrung. In den Lehrveranstaltungen an der Uni ging es ihm zufolge kaum um Reptilien. Also wühlte er sich selbst durch die Fachliteratur und absolvierte ein Praktikum nach dem anderen. In Deutschland hospitierte Biron allein dreimal in der Reptilienauffangstation der Universität München. Mehrfach reiste er nach Florida und arbeitete in Wildtierkliniken wie dem Wildlife Care Center in Fort Lauderdale, wo unter anderem Leguane, Schildkröten und Schlangen versorgt werden. Durch einen Zufall traf der Student dort auch die Koryphäe Dr. Doug Mader, der auf den Florida Keys praktiziert. Ihm durfte er bei Laser-Operationen an Meeresschildkröten assistieren.

Viele Halter werden schlecht beraten

Von den Cracks zu lernen und sich in der Fachwelt zu vernetzen hält Biron für sehr wichtig. Seit seiner Studienzeit nimmt er an Fachtagungen teil, hält selbst Vorträge und ist unter anderem Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienkrankheiten der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde. Für diesen und andere Verbände hat der Spezialist auch selbst Kongresse im In- und Ausland organisiert. Sein Wissen ist nicht nur unter Kollegen gefragt, sondern auch bei Behörden. „Leider kommt es öfter vor, dass Zoohandlungen oder Privatleute Reptilien nicht artgerecht halten. Oft werde ich dann als Gutachter bestellt“, sagt Biron. Falsche Haltung ist ein Dauerthema in seinem Beruf. Es regt ihn auf, wenn Echsen unter ungeeigneten Lampen vegetieren. Oder Landschildkröten ihr Dasein im Terrarium fristen: „Diese Tiere brauchen Sonnenlicht, um gesund zu wachsen. Sie gehören nicht eine Sekunde in die Wohnung“, mahnt der Experte.
 

Eine einjährige Landschildkröte beim Checkup. Kornelis Biron berät die Besitzerin, wie sie das Tier richtig ernährt und ihren Garten schildkrötentauglich macht.

 

Zu oft würden unseriöse Zoohändler und Züchter die Käufer schlecht beraten. Um dieses Defizit auszugleichen, reicht meistens schon ein Gespräch, verspricht der Veterinär: „Dann brauchen mich die Tierhalter später hoffentlich nicht mehr.“ Sich früh zu informieren und Krankheiten vorzubeugen sollte selbstverständlich sein, ist es nach Birons Erfahrung aber nicht. Begeisterte „Terrarianer“, die sich intensiv mit der Biologie ihrer Tiere beschäftigen, trifft er seltener als früher – was sich auch im Praxisalltag widerspiegelt: Vor 15 Jahren behandelte der Tierarzt etwa zehn verschiedene Arten am Tag. Heute sind es meist nur noch drei bis vier. Die pflegeleichten Bartagamen und Landschildkröten gehören zu den häufigsten Patienten. Langweilig wird es Biron trotzdem nicht, sagt er. Traumberuf bleibt Traumberuf.

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