PJ: Zum Forschen nach Florida

Niklas Losse PJ Florida Pharmazie
  • Studium & Lernen
  • 24.04.2017

Eine Zeitlang in den USA zu studieren, davon hat Niklas Losse seit seinem ersten Semester an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald geträumt. Acht Semester später war es dann soweit: Die erste Hälfte seines Praktischen Jahres verbrachte der Pharmaziestudent in Florida. Warum der Aufenthalt an der University of Florida in Orlando der Grund dafür war, dass er sich auf eine Doktorandenstelle in Deutschland beworben hat, das erzählt er hier.

Was hast du dir von deinem Auslandsaufenthalt versprochen?
Die Top-Forschung findet in den USA statt. Daran wollte ich partizipieren. Außerdem wollte ich meine Sprachkenntnisse aufbessern.

Wie bist du auf die University of Florida aufmerksam geworden?
Einer meiner Professoren, Prof.Werner Weitschies, hat mir von einem Austauschprogramm unserer Uni für Pharmazeuten in die USA erzählt. Und er kennt Prof. Derendorf, der an unserer amerikanischen Partner-Uni doziert. Also habe ich sofort eine E-Mail nach Orlando geschickt.

Mit Erfolg, wie wir wissen.
So schnell ging es dann doch nicht. Ich musste erst ein offizielles Bewerbungsschreiben mit Lebenslauf an den Professor senden und ein Empfehlungsschreiben von Prof. Weitschies beifügen. Aber danach habe ich die Zusage erhalten.

Welche Papiere waren noch erforderlich?
Ich habe ein J1 Visum bei der US-Botschaft in Berlin beantragt. Dafür musste ich mir einen Termin bei der Botschaft geben lassen und ein Interview mit einem Sachbearbeiter führen, das Einladungsschreiben der University of Florida mitbringen und einen Fragebogen ausfüllen. Das Visum ist mir später zugeschickt worden.

Wo hast du in Orlando gewohnt?
Von Prof. Derendorfs Assistentin wusste ich, dass noch vier weitere Pharmaziestudenten aus Deutschland zeitgleich mit mir in Orlando sein würden. Wir haben dann gemeinsam eine Wohnung von anderen deutschen Studenten übernommen, die wieder nach Hause fuhren.
 

Wie weit war die Wohnung vom Campus entfernt?
Ungefähr 30 Minuten mit dem Auto, wobei die Location schon etwas gewöhnungsbedürftig war. Wir haben in einer Gated Community gelebt, also in einem geschlossenen und überwachten sehr weitläufigem Areal. Das Appartment lag auch noch direkt auf einem Golfplatz, dafür aber nur 15 Minuten zu Fuß vom Pool entfernt, was natürlich klasse war.

30 Minuten zum Campus – das heißt, du brauchtest einen fahrbaren Untersatz…
Genau. Das Auto haben wir von den Studenten übernommen, die vorher in unserer Wohnung gewohnt haben. Allerdings mussten wir den Führerschein in Florida noch einmal machen, aber das war nicht schwer. Wir mussten nur zur Führerscheinstelle vom DMV gehen und das Visum und den deutschen Führerschein vorlegen. Dann haben wir noch einen Multiple Choice Test absolviert. Drei Wochen später hatten wir alle den Führerschein.

Wie war dein Praktikum organisiert?
Ich wurde Prof. Mirjam Trame, die jetzt auch die Koordinatorin des gesamten Austauschprojektes ist, zugewiesen und habe am Center for Pharmacometrics and System Pharmacology geforscht. Genauer gesagt habe ich mich mit dem unkontrollierten Gewichtsverlust bei gewissen Krankheiten beschäftigt. Aus den theoretischen Hintergründen haben wir dann versucht, ein Modell zu bauen, um den Kalorienbedarf zu ermitteln und gegebenfalls auch die physiolgoischen Hintergründe zu verstehen.

Hast du gemeinsam mit deinen Mitbewohnern an dem Projekt gearbeitet?
Meine Mitbewohner haben zum Teil an ganz anderen Projekten gearbeitet, unter anderem an Computermodellen, um Antibiotikaresistenzen oder Tumorwachstum vorherzusagen. Zwei meiner Mitbewohner haben am renommierten Forschungsinstitut Sanford Burnham  gearbeitet und dort vornehmlich experimentelle Grundlagenforschung betrieben.

Habt ihr euch viel untereinander ausgetauscht?
Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Teams, den unterschiedlichen Instituten und den Forschungsstandorten Gainesville und Orlando war sehr intensiv. Wir haben häufig auch während der normalen Arbeitszeiten über unsere verschiedenen Projekte gesprochen und uns gegenseitig geholfen und motiviert, das war wirklich sehr hilfreich.

Wie lang war euer Arbeitstag?
Unsere Arbeitszeit ging in der Regel von 9 bis 17 Uhr. Allerdings haben wir regelrecht eine Ausgangssperre erhalten, als während unseres Aufenthalts zwei Hurrikans in Florida wüteten. Das war wirklich sehr aufregend.

Was hast du während deines Praktikums gelernt?
Zuallererst natürlich die Erfahrung im Ausland zu sein. Dinge von Grund auf neu zu lernen und sich selber zu organisieren. Fachlich habe ich sehr tiefe Einblicke in das Thema Pharmakometrik gewinnen können. Ein Bereich, der in Deutschland kaum unterrichtet wird. Das hat mein Interesse so geweckt, dass ich mich nach meiner Rückkehr auf eine Doktorandenstelle beworben habe.

Welche Erfahrungen hast du noch gesammelt?
Spannend fand ich die Arbeit in einem internationalen Team. Auch hat mich das schiere Investitionsvolumen sehr beeindruckt. Natürlich habe ich meine Sprachkenntnisse verbessert, neue Freunde in den USA gefunden und das Land kennengelernt. Ich war in Miami, Gainesville - eigentlich überall in Florida - und dann noch in San Francisco, Las Vegas, Washington D.C., North Carolina und in New York. Das Reisen war für mich ein wichtiger Teil des Auslandsaufenthalts.

Das klingt so, als wäre dein Auslandspraktikum nicht ganz billig gewesen.
Stimmt. Für Miete habe ich monatlich rund 380 Dollar gezahlt. Der Führerschein war nicht so teuer, ca. 100 Dollar, das Visum hat rund 300 Dollar gekostet. Inklusive aller Inlandsflüge und Hotels habe ich rund 10.000 Euro in dem halben Jahr ausgegeben. Aber es hat sich gelohnt. Ich möchte dieses Auslandspraktikum nicht missen.

Wie geht es bei dir weiter?
Im zweiten Teil meines Praktischen Jahres arbeite ich in der Kreuzapotheke in Flensburg und im Juni folgt mein drittes Staatsexamen. Danach erhalte ich meine Approbation zum Apotheker.

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