Crash-Kurs Apothekenpraxis

  • Studium & Lernen
  • 10.11.2016

„Ein junger Mann, etwa 25 Jahre alt, betritt die Apotheke und verlangt eine Packung Omep®Hexal 20mg, 14 Stück. Bei der Bestellung wirkt er selbstsicher, scheint es aber sehr eilig zu haben. Welche Fragen stellen Sie ihm? Oder geben Sie ihm direkt das Magenmittel mit, weil er offensichtlich genau weiß, was er ordert?“, fragt Vivian Wagner die rund 82 Pharmaziestudenten, die einen ihrer Vorträge und Workshops des Praktikumsbegleitenden Unterrichts besuchen.

Der insgesamt vierwöchige Unterricht gehört für alle Pharmaziestudenten in Deutschland zum Pflichtprogramm. Er soll sie fit für das dritte Staatsexamen machen und  – zusätzlich zum Praktikum  – auf den Umgang mit Patienten vorbereiten.

Akribisch wie ein Detektiv

Apothekerin Wagner weiß genau, welchen Herausforderungen sich die Newcomer unter den Apothekern dabei stellen müssen: Bis zum Praktischen Jahr haben sie kaum Patientenerfahrung gesammelt und hauptsächlich Theorie gebüffelt. „Dabei ist der Beruf des Apothekers ein offensiver Beratungsberuf, bei dem man viel mit Menschen in Berührung kommt. Daher rate ich den Studenten, zu kommunizieren und viele Fragen zu stellen. Nach ihrer Approbation übernehmen sie eine große Verantwortung gegenüber den Kunden.“ Deshalb lautet Wagners Leitmotiv: Apotheker sind wie Detektive. Erst nach vielen Fragen können sie einen ‚Fall’ erfolgreich lösen.

Die fünf W-Fragen

Und damit zurück zum Anfang und zu Wagners erstem Fallbeispiel. „Natürlich geben Sie dem jungen Mann das Medikament nicht sofort mit, sondern stellen ihm die fünf ‚W-Fragen’: Für wen ist das Medikament? Was haben Sie für Beschwerden? Wie lange schon? Was haben Sie bereits dagegen unternommen und welche anderen Arzneimittel oder Erkrankungen liegen vor?“, erklärt die Referentin ihren Teilnehmern. „Wenn Sie nicht fragen würden, dann würden Sie auch nicht erfahren, dass das Medikament gar nicht für ihn, sondern für seine schwangere Partnerin bestimmt ist, und das wiederum hätte fatale Folgen für die Patientin.“

Nützliche Tipps für die Praktikumsphase

Welche Ratschläge Wagner den Pharmaziestudenten im Praktischen Jahr darüber hinaus mit auf den Weg gibt? „Nutzen Sie alle praxisbezogenen Fortbildungsmöglichkeiten. Vernetzen Sie sich, bilden Sie Arbeitsgruppen und fragen Sie beständig nach. Denn im Berufsleben haben Pharmazeuten einen großen Handlungsspielraum. Diesen verantwortungsvoll zu nutzen, bleibt in einer Apotheke eine tagtäglich Herausforderung.“

Um das eigene Praxiswissen auszubauen und sich intensiv auf das anschließende Berufsleben vorzubereiten, stehen den angehenden Pharmazeuten über den Praktikumsbegleitenden Unterricht hinaus deshalb weitere Lernangebote offen.

Praxisluft schnuppern in der Testapotheke

Wusstet Ihr zum Beispiel, dass es in Mainz und Berlin Testapotheken gibt, in denen Pharmaziestudenten Lernszenarien üben können? Ist tatsächlich so. An beiden Unis sind die Trainingsapotheken fester Bestandteil des Pharmaziestudiums.

„Das sind tolle Einrichtungen“, urteilt die Referentin. „Viele der Studierenden kennen zwar die Arzneistoffe, aber nicht die vielen Präparate, die es auf dem Markt gibt. Hinzu kommen so genannte Tabuthemen wie Hämorrhoiden oder Geschlechtskrankheiten. Darauf sind viele junge Apotheker mental und emotional gar nicht vorbereitet. In den Testapotheken und bei unserem Unterricht werden sie darauf geschult.“

Ein Zirkel mit Prädikat

Darüber hinaus bietet die Berliner Apothekerkammer einen Qualitätszirkel an. Dieses intensive Training besteht ausschließlich aus interaktiven Workshops, in denen die Teilnehmer besonders gefordert und gefördert werden. Wer die Möglichkeit hat, sich hier anzumelden, sollte dies unbedingt tun, rät Wagner.

„Bei diesem Crashkurs, der sich über fünf Monate erstreckt und einmal monatlich für jeweils drei Stunden stattfindet, sind die Studenten aktiv eingebunden“, erzählt Wagner. „Sie müssen Protokolle schreiben und über Themen referieren, die sie sich selber aussuchen und eigenständig erarbeiten. Das ist sehr anspruchsvoll.“ Aber auch entsprechend wirkungsvoll. Denn sie seien eine perfekte Vorbereitung auf die mündlichen Prüfungen, so Wagner.

Zweimal pro Jahr können jeweils rund 30 Studenten an den Qualitätszirkeln teilnehmen. „Dieses Angebot gibt es zurzeit nur in Berlin. Aber auch Studenten, die in einem anderen Bundesland studieren und einen Teil ihres Praktischen Jahres in Berlin absolvieren, können sich für den Qualitätszirkel bewerben.“

So gewappnet sollte dem Eintritt ins Berufsleben nichts mehr im Wege stehen.

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