Nordische Helden

  • Leben & Finanzen
  • 06.11.2018

Kleine ganz groß: Sie geben anteilsmäßig weniger für Gesundheit aus als Deutschland, dafür sind die Länder Finnland, Estland und Dänemark Spitzenreiter in Sachen E-Health. Was läuft in diesen Ländern im Gesundheistwesen anders als bei uns? Ein Überblick.

 

Estland – Rezept einlösen mit dem Personalausweis

Für den digitalaffinen Bürger ist das kleine Estland mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern das Mekka in Sachen Digitalisierung und E-Government. Kostenfreier Internetzugang ist gesetzlich garantiert. Fast alle Dienstleistungen des Staates kann man über den Personalausweis online in Anspruch nehmen. Der hat einen Chip integriert, auf dem alle wichtigen Informationen über den Staatsbürger gespeichert sind. So können die Esten ihn für alles von der Steuererklärung bis zur Stimmabgabe bei der Wahl nutzen.

Beim Arzt auf die Unterschrift unterm Rezept warten und es dann zur Apotheke tragen? Nicht in Estland. In der Apotheke loggt man sich mit dem Ausweis ein und erhält das verschriebene Medikament. Wechselwirkungen mit anderen Arzneien, die jemand einnimmt, lassen sich leicht vermeiden: Weil alle Medikationsdaten auf dem Ausweis gespeichert sind, haben Ärzte und Apotheker immer den Überblick. Es sei denn, man hat sich per Opt-Out-Verfahren darauf festgelegt, keine Daten zu speichern und freizugeben. Außerdem hat Estland als erster Staat weltweit die elektronische Gesundheitsakte eingeführt: Von der Geburt bis zum Tod sind hier alle medizinischen Daten einer Person hinterlegt. Behandelnde Ärzte und Patienten haben Zugriff auf Befunde, Röntgenbilder und Medikationsdaten. Seit 2017 können sogar Daten aus privat genutzten Gesundheits-Apps gespeichert werden. Anonymisiert und in einer zentralen Datenbank gespeichert, sollen sie in Zukunft dazu beitragen, Epidemien vorzubeugen und Gesundheitstrends früh zu erkennen.

Basis für all das ist die „X-Road“, die den Austausch zwischen Datenbanken ermöglicht. Abgesichert wird sie über die Blockchain-Technologie.
 

Im jährlich erscheinenden "Digital Economy and Society Index" (DESI-Index) vergleicht die EU-Kommission die Fortschritte der EU-Mitgliedsländer bei der Digitalisierung. Deutschland liegt bei der "Digitalisierung öffentlicher Dienste" (E-Government und E-Health) nur auf Platz 21.
 

Finnland – im virtuellen Hospital

Auf der X-Road können Länder auch untereinander Daten auf Reise schicken. So teilen die Esten seit 2017 Informationen mit Finnland. Die Finnen haben in punkto Online-Banking und Cloud-Lösungen schon lange die Nase vorn. Aktuell ist der Digital Health-Bereich der größte Hightech-Exportsektor des Landes. Das Sammeln von genetischen Informationen und der Aufbau biologischer Datenbanken hat in Finnland Tradition.

Ausnahmslos jeder Finne besitzt eine elektronische Krankenakte. 90 Prozent des Informationsaustauschs zwischen Hausärzten und Krankenhäusern läuft digital. Seit 2017 sind elektronische Rezepte Pflicht. Und das Gesundheitsarchiv „KanTa“ ermöglicht allen Bürgern Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten.

Anders als die Esten müssen die Finnen Medizinern den Zugriff auf ihre Daten aktiv erlauben (Opt-In-Verfahren). Fast die Hälfte aller Patienten tut dies bereits. Finnland ermuntert seine Bürger außerdem dazu, mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen: Im „Virtual Hospital 2.0“ zum Beispiel stellen die fünf Universitätskliniken Informationen zur Selbstbehandlung und Diagnose bereit.

Dänemark – alles über ein Portal

Die Vorreiter in Sachen digitaler Patientenakte finden sich in Dänemark: Im kommunal organisierten Gesundheitssystem speichern die Hausärzte schon seit 2010 sämtliche Gesundheitsdaten ihrer Patienten. Laborergebnisse und fast alle Überweisungen werden digital über ein verschlüsseltes Datennetz verschickt. Das erleichtert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ärzten.

Im Portal „Sundhed.dk“ können sich die Dänen mit ihrer individuellen Bürgernummer und einer digitalen Signatur einloggen und haben damit Zugriff auf all ihre gespeicherten Gesundheitsdaten. Über das Portal vereinbaren sie auch Termine mit dem Hausarzt und lassen Rezepte erneuern. Einzelne Diagnosen können Patienten vor dem Zugriff anderer schützen, wenn sie das möchten.
 

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