Dermatologie - alles andere als oberflächlich

  • Beruf & Karriere
  • 06.02.2017

Niedergelassene Dermatologen begleiten ihre Patienten oft durch das ganze Leben. Von der Pubertäts-Akne bis zum Schwangerschafts-Chloasma und zur Antifalten-Behandlung. In unserem Steckbrief stellen wir die Fachrichtung vor und sprechen mit den beiden Berliner Hautärzten Prof. Berthold Rzany und Dr. Martina Hund über ihre Entscheidung für die Dermatologie.

 

Herr Prof. Rzany, Frau Dr. Hund - warum Dermatologie? Was hat Sie dazu bewogen, diese Fachrichtung einzuschlagen?
Rzany: Dermatologie ist extrem vielseitig – du kannst super viel machen von Abszessen spalten bis Lippen aufspritzen.
Hund: Ich dachte mir: Egal in welche Fachrichtung ich später gehen will, es kann nicht schaden eine Famulatur in diesem Fach gemacht zu haben – denn an der Haut haben alle Patienten was. Und die Bandbreite ist enorm - vom Neugeborenen bis zum Hochbetagten, von leicht heilbaren bis lebensbedrohliche Erkrankungen. Dazu kommen die Vielseitigkeit und interdisziplinären Überschneidungen des Faches. Und dass das Organ Haut so einfach einsehbar und mitunter weitreichende Diagnosen alleine durch Blickdiagnose gestellt werden können. Last but not least: Dass man im Gegensatz zu vielen anderen Fächern das komplette diagnostische und therapeutische Spektrum des Faches, wie man es aus der Ausbildung und Klinik kennt, auch im niedergelassenen Bereich 1:1 deckungsgleich ausüben kann. Für mich ist das bis heute eine der ganz großen Besonderheiten und Vorzüge dieses Faches.

Sind die Erwartungen, die Sie als Studenten an die Fachrichtung hatten, erfüllt worden?
Rzany: Ich hab in der Derma famuliert und auch mein PJ Drittel dort abgeleistet. Ich hatte da schon recht realistische Vorstellungen.
Hund: Mehr als das, denn die kosmetisch-ästhetische Ausrichtung des Faches wie wir sie heute kennen mit Botulinumtoxin, Fillern etc. gab es damals noch gar nicht, und auch die Lasermedizin steckte damals noch vergleichsweise in den Kinderschuhen.

Was ist anders, als Sie es sich damals vorgestellt hatten?
Hund:
Viele Wandlungen konnte man sich damals noch gar nicht vorstellen! Das eine ist wie gesagt das Einfließen des breiten kosmetisch-ästhetischen Bereiches; zum anderen wandelt und entwickelt sich das Fach permanent weiter – aufgrund neuer medizinischer Entwicklungen.

Gab es in Ihrer Laufbahn ein besonders einschneidendes Erlebnis, einen Schlüsselmoment?
Rzany:
Die Vorlesungen von Professor Klaus Wolff in Wien. Er hat mich – und nicht nur mich – für das Fach gewonnen.
Hund: Auch bei mir sicherlich ganz wesentlich die lebhaften, humorvollen und spannenden Vorlesungen von Prof. Petzold in Heidelberg. Und dann die Famulatur, in der mir die Fülle und Vielseitigkeit des Faches wie ein bunter Blumenstrauß präsentiert wurde. Diese Faszination hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Dazu kommt, dass ich aus einer Familie stamme, die ein ganzes Lehrbuch mit Hauterkrankungen füllen könnte. Ich war selbst in jungen Jahre schon regelmäßiger Gast in der Dermatologie – und diese Erfahrungen waren mitunter sehr unschön… vielleicht wollte ich es unbewusst besser machen.

Was sollte ein guter Dermatologe mitbringen?
Rzany: Neugier und Empathie.
Hund: Genau – und eine visuelle Prägung und Leidenschaft.

Was ist die größte Schwierigkeit auf dem Weg zur Karriere als Dermatologe?
Rzany: Es war der Einstieg in das Fach. Aber der ist mittlerweile viel einfacher geworden, da es weniger Bewerber für die Stellen gibt.

Neben der fachlichen Vielfalt, was ist besonders attraktiv an der Dermatologie?
Rzany: Im Gegensatz zu anderen Fachbereichen sind - wenn man nicht an einer Universitätsklinik arbeitet - die Arbeitszeiten relativ geregelt. Es gibt im Niedergelassenenbereich viele Teilzeitstellen. Das heißt die Work-Life-Balance ist stimmiger als in vielen anderen Fachbereichen.   

Was raten Sie angehenden Dermatologen?
Rzany: Sich Kliniken zu suchen, in denen die Ausbildung der Kollegen im Vordergrund steht.
Hund: Ich finde es wichtig, dass man  in der Ausbildung die gesamte Breite des Faches mitnimmt. Das ist vor allem an den Universitätskliniken der Fall.

 

Steckbrief Dermatologie

Weiterbildungszeit
5 Jahre (möglich sind 2,5 Jahre im ambulanten Bereich). Die Weiterbildung ist regional unterschiedlich geregelt. Die zuständige Ärztekammer deines Bundeslandes gibt dir über ihre Richtlinien Auskunft. 

Tätigkeit
Da Haut- und Schleimhautprobleme vielfältige Ursache haben können, müssen Hautärzte sich auch in Allergologie, Andrologie, Proktologie und Phlebologie, mit Haar- und Kopfhaut-Problemen und Geschlechtskrankheiten auskennen.  Viele Dermatologen schätzen den überdurchschnittlich häufigen Kontakt zu anderen medizinischen Disziplinen und den fachlichen Austausch. Operationen gehören ebenso in ihren Alltag wie kosmetische und ästhetische Therapien.

In der Dermatologie sind Diagnosen auf einen Blick möglich. Allerdings können Hautkrankheiten sehr verschiedene Ursachen haben, nicht zuletzt psychosomatisch bedingt sein. Eine Sherlock-Holmes-Mentalität ist sehr hilfreich für diese Spezialisierung.

Arbeits-Prognose
Gut. Laut Berufsverband der deutschen Dermatologen werden Fachärzte der Dermatologie derzeit vermehrt gesucht. Viele werden in den nächsten Jahren in Rente gehen. Die Bundesagentur für Arbeit listet offene Stellen für Dermatologen hier.

Weitere Informationen 
Berufsverband der deutschen Dermatologen
Dermatologie Informationsdienst

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