AIAS: Wenn Studenten gegen Blutkrebs kämpfen

Mitglieder von AIAS Berlin vor einer Registrierungsaktion
Mitglieder von AIAS Berlin vor einer Registrierungsaktion
  • Leben & Finanzen
  • 26.05.2017

„Hast du schon mal ein Leben gerettet?“ - mit diesem Satz ist Pia Flügel regelmäßig auf den Campussen Berlins unterwegs. Die 25-Jährige ist Vorsitzende von AIAS Berlin. AIAS ist ein gemeinnütziger Verein von Studenten, der über Blutkrebs aufklärt. Er ermöglicht es Studierenden, sich direkt auf dem Campus als Stammzellspender registrieren zu lassen. „Es geistern immer noch so viele Vorurteile gegen eine Stammzellspende herum. Damit wollen wir aufräumen“, begründet Pia ihr Engagement.

„Viele Studenten, die wir ansprechen, haben Angst, dass sie nach einer Stammzellspende querschnittsgelähmt sein könnten. Es ist das alte Märchen von der Riesen-Nadel, die ins Rückenmark gerammt wird“, berichtet Pia. „Dabei werden 80 Prozent der Spenden peripher gemacht, das heißt, das Blut wird an einem Arm abgepumpt, dann gefiltert und anschließend über den anderen Arm wieder zurückgegeben.“ Eine tatsächliche Knochenmarkspende hingegen wird unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm entnommen - und eben nicht, wie es der Volksmund oft sagt, aus dem Rückenmark.

Sind meine Daten sicher?

Auch Datenschutzbefürchtungen begegnen den AIAS-Vertretern immer wieder: Wird da nicht die DNA aufgeschlüsselt? Können Rückschlüsse über meinen Gesundheitszustand gezogen werden? Werden Daten an die Polizei oder sonstige Obrigkeiten weitergegeben? Die Antwort auf all diese Fragen lautet: Nein. „Aber wir nehmen diese Bedenken natürlich ernst“, bekräftigt Pia.
 

Blutkrebs ist heilbar, wenn…

An 23 Uni-Standorten ist AIAS inzwischen vertreten - insgesamt engagieren sich rund 200 Studenten im Kampf gegen den Blutkrebs. Eine von ihnen ist auch Sahar Hijazi aus München. „Jeder trägt den Wirkstoff gegen Blutkrebs in sich“, erklärt die 23-Jährige. „Darüber möchten wir aufklären. Denn Blutkrebs ist generell heilbar - wenn nur genügend Menschen da sind, die sich registrieren lassen.“ Derzeit erkrankt in Deutschland alle 15 Minuten ein Mensch an Blutkrebs. Jeder 7. Patient muss sterben, weil kein passender Stammzellspender gefunden wird.

Studenten retten Menschenleben

Dass sich der Einsatz von AIAS lohnt, davon ist Sahar überzeugt: „Seit unserer Gründung im Jahr 2013 haben wir in ganz Deutschland rund 22.000 Studenten registriert.“

Eine Registrierung bedeutet aber noch lange nicht, dass man auch umgehend als Spender in Frage kommt. Insgesamt liegen die Chancen, innerhalb von zehn Jahren nach der Registrierung als Stammzellspender in Frage zu kommen, bei ein bis zwei Prozent. Trotzdem tragen die Registrierungsaktionen von AIAS-Fraktion schon Früchte: 41 Studenten sind bereits als Spender zum Einsatz gekommen und konnten so ein Menschenleben retten. „Für uns sind das natürlich tolle Erfolgsgeschichten“, unterstreicht Sahar. 

Heldentat - oder: das Normalste auf der Welt

Angesprochen darauf, ob sich die Spender selbst als Helden fühlen, schüttelt Pia den Kopf. Ein Lebensretter zu sein, sei - keine Frage - ein tolles Gefühl. Aber dann für viele eben auch das normalste auf der Welt. „Eine Spenderin hat mal gesagt, dass es nichts Besonderes sein sollte, anderen Menschen zu helfen. Vor allem dann nicht, wenn man nur das teilen muss, was man sowieso zu Genüge hat. Das hat uns alle sehr berührt“, berichtet Pia.

Registrierung zwischen zwei Vorlesungen

Die Registrierung auf dem Campus ist eine Sache von Minuten. „Unser Motto lautet: Leben retten zwischen zwei Vorlesungen“, sagt Sahar. Denn die Registrierung läuft denkbar unkompliziert. „Wir sprechen die Studenten auf dem Campus an. Wenn Sie Interesse haben, füllen Sie einen Fragebogen mit persönlichen Daten aus und machen anschließend an unserem Stand einen Wangenabstrich mit einem Wattestäbchen.“ Das wird dann zusammen mit dem Fragebogen eingetütet und an die DKMS geschickt. Kosten fallen für die Registrierung nicht an. Die Registrierungssets werden von der DKMS gestellt. „Die DKMS ist ein enger Kooperationspartner von uns“, erklärt Sahar. „In der Regel sind immer zwei Mitarbeiter der DKMS bei unseren Registrierungsaktionen dabei - falls ganz ausgefallene fachspezifische Fragen aufkommen.“

Selber aktiv werden

Wer sich bei AIAS engagieren möchte, wird mit offenen Armen empfangen. Entweder man schließt sich einer bestehenden Hochschulgruppe an - oder man gründet einen neuen Standort. „Wir eröffnen regelmäßig neue Hochschulgruppen“, erzählt Sahar. „Wer Interesse hat, kann sich einfach bei uns in München melden. Wir helfen dann bei allen Schritten weiter - von „Mitstreiter-gesucht-Aufrufen“ auf Facebook bis hin zur Organisation und Bewerbung einer Registrierungsaktion auf dem Campus.“ Und auch der persönliche Kontakt der verschiedenen Standorte untereinander kommt nicht zu kurz: Einmal pro Jahr sind alle AIAS-Ehrenamtler zum Jahrestreffen nach München eingeladen. 2017 findet das Treffen vom 23. bis 25. Juni in der apoBank München statt. „Für uns ist das immer eine tolle Gelegenheit, um uns untereinander kennenzulernen, uns zu vernetzen und voneinander zu lernen. Man lernt viele tolle und interessante Leute kennen - auch das ist ein guter Grund, bei AIAS mitzumachen“, freut sich Sahar.
 

Über AIAS

AIAS ist ein gemeinnütziger Verein von Studenten. Er klärt über Blutkrebs auf und ermöglicht eine Registrierung zum Stammzellspender „zwischen zwei Vorlesungen“ an deiner Hochschule. Denn noch zu wenige Studenten wissen mit dem Thema Blutkrebs und dem Begriff der Stammzellspende etwas anzufangen.

AIAS wurde 2013 von vier Studenten in München gegründet. Eine der Gründerinnen, Katharina Zech, hatte zuvor selber über eine Stammzellspende einer jungen Mutter das Leben gerettet.

Weitere Informationen rund um die Stammzellspende und wie du bei AIAS selbst aktiv werden kannst findest du hier.

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