Mündliche Prüfung: Dem Blackout keine Chance

So gelingt die mündliche Prüfung
  • Studium & Lernen
  • 26.10.2016

Langsam und unaufhörlich rückt er näher – der Termin der mündlichen Prüfung. Die Folge: schlaflose Nächte, abgekaute Fingernägel, ein angekratztes Nervenkostüm. Doch das muss nicht sein. Mit der richtigen Vorbereitung machst du Blackout & Co. das Leben schwer.

Wenn es um Prüfungen geht, sind Studenten Profis – wenn da nicht diese eine Ausnahme wäre: die mündliche Prüfung. Denn die hat eine vollkommen andere DNA als jede schriftliche Klausur.

Plötzlich geht es nicht mehr darum, Fakten kurz und knapp abzurufen oder Multiple-Choice-Aufgaben zu lösen. Vielmehr wollen Zusammenhänge erläutert, Wissen eingeordnet und Beispiele anschaulich dargestellt werden – und das von Angesicht zu Angesicht.

Viele Prüflinge tendieren jedoch dazu, die Deckung in der mündlichen Prüfung zu hoch zu halten. „Sie antworten, wie sie es von schriftlichen Prüfungen gewohnt sind: möglichst faktenorientiert, kurz und knapp“, erklärt Kommunikationsexpertin Dr. Susanne Frölich-Steffen. „Dabei erwarten Prüfer, dass sich ein Gespräch entwickelt und man in den offenen Austausch miteinander kommt.“

Was zunächst einfach klingt, stellt viele Prüflinge vor eine große Herausforderung. Deshalb heißt es: üben, üben, üben.

Ab in den Prüfungssimulator

Je besser man mit der Situation vertraut ist, desto entspannter lässt sich die mündliche Prüfung angehen. Deshalb hilft es ungemein, die Prüfungssituation mit Freunden zu simulieren und sukzessive den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Das heißt: Am Anfang übst du gemeinsam mit Kommilitonen in legerer Kleidung auf dem Sofa; später vielleicht in der etwas schickeren Prüfungskleidung am Schreibtisch und zuletzt im leeren Hörsaal. So machst du dich mit der Umgebung und der Prüfungssituation Schritt für Schritt vertraut.

Die richtige Taktik für das Frage-Antwort-Spiel

Mit einer guten Frage-Antwort-Taktik kannst du in mündlichen Prüfungen punkten. „Optimal ist, zunächst mit einer kurzen Antwort, dem richtigen Schlagwort, auf die Frage des Prüfers zu reagieren und diese Antwort dann mit Bindewörtern wie „denn“ oder „aber“ zu erläutern“, rät Frölich-Steffen. „Dieser hierarchische Aufbau macht es dem Prüfer leicht, die Antwort nachzuvollziehen. Auch man selbst verzettelt sich weniger.“ Positiver Nebeneffekt: Die Prüfungszeit verstreicht. Im Optimalfall sind es ein bis zwei Minuten pro Antwort.

Eine weitere Erfolgsstrategie ist, den Lernstoff in unterschiedlicher Detailtiefe vorzubereiten. „Wer schon beim Lernen zwischen Detail und Zusammenhängen hin und her springt, ist in der Prüfung gedankenschneller und kann sich besser auf den Prüfer einstellen“, so Frölich-Steffen. „Man sollte sich also immer fragen, ob er das Thema gerade durch das Teleobjektiv oder mit einem Weitwinkel betrachten will.“

Nachfragen sportlich nehmen

Nachfragen gehören zur mündlichen Prüfung wie der Kittel zu den Heilberufen. Ganz wichtig ist deshalb: Lass dich durch Nachfragen nicht verunsichern! Nimm stattdessen die Gelegenheit wahr, deine Überlegungen noch einmal zu begründen. Das signalisiert: Meine Antwort ist nicht aus der Luft gegriffen!

Und wenn sich doch einmal ein Fehler eingeschlichen hat, kann der Prüfer schnell nachvollziehen, wo du falsch abgebogen bist. Das hat den Vorteil, dass die Antwort vielleicht falsch, die Argumentationskette aber richtig war – und das gibt Punkte.

Zeit ist Trumpf

Nicht immer hat man auf Anhieb eine perfekt strukturierte Antwort parat. Dann heißt es: Zeit gewinnen, die Gedanken ordnen. Das sollte man auf keinen Fall im Stillen tun, empfiehlt die Kommunikationsexpertin. Besser sei es, Denkpausen anzumoderieren: „Wer sagt, dass er sich kurz sortieren möchte, zeigt dem Prüfer, dass das Gehirn arbeitet.“

Dem Blackout den Stecker ziehen

Kommt man aber tatsächlich in die Situation, dass das Gehirn abschaltet, dann gilt: Ruhe bewahren. „Manchen Prüflingen hilft es, körperlich aktiv zu werden. Man kann beispielsweise das Fenster öffnen oder einen Schluck Wasser trinken. Das hilft, aus der Situation herauszukommen und die Gedanken wieder zu ordnen“, rät Frölich-Steffen. Eine andere Möglichkeit ist, die Frage bzw. Antwort schriftlich zu skizzieren. Der visuelle Anreiz wirkt wie ein neuer Impuls auf das Gehirn und ermöglicht einen Neustart. „Die Erfahrung zeigt, dass man keine Scheu davor haben sollte, auch solche Wege zu gehen. Im Gegenteil: Die Prüfer sind aufgeschlossen, niemand wünscht seinem Prüfling einen Blackout.“  

Mündliche Prüfung – find ich gut!

Allen Unkenrufen zum Trotz: Die mündliche Prüfung ist kein Horrorszenario. Im Gegenteil: Mit etwas Vorbereitung und der richtigen Einstellung kann sie zur echten Chance werden. „Oft fallen die Prüfungsergebnisse sogar besser aus als bei den schriftlichen Übungen“, weiß Frölich-Steffen. „Denn es geht nicht nur um nackte Fakten, sondern auch darum, wie ich mich präsentiere und Sachverhalte einordne. Diese menschlichen Faktoren fließen unmittelbar in das Ergebnis ein.“ Mit anderen Worten: Die mündliche Prüfung ist deine Gelegenheit, dich mit all deinen Fähigkeiten zu präsentieren. Wer das für sich formuliert und als Chance begreift, kann deutlich entspannter mit der Prüfungssituation umgehen.

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