Deutschland sucht den Superarzt

Wissen, buzzern, punkten: Der Paul-Ehrlich-Contest
  • Studium & Lernen
  • 07.12.2016

Eine Sozialarbeiterin, 46, klagt seit 5 Wochen über immer wiederkehrenden Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen. Weitere Beschwerden habe sie nicht. Ihr Zyklus sei bereits seit etwa 6 Monaten sehr unregelmäßig geworden und seit 8 Wochen ganz ausgeblieben. Bei der Untersuchung fallen eine diskrete Dysmetrie der Extremitäten und eine Gangunsicherheit mit ungerichteter Fallneigung auf. Woran ist sie erkrankt?

Wenn sich Claudia Krsiakova einen Fall ausdenkt, würde dieser im Hammerindex garantiert als „hammer schwer“ gekennzeichnet sein. Ein geringerer Schwierigkeitsgrad kommt für die gebürtige Österreicherin nicht in Frage. Die 23-jährige Medizinstudentin gehört zu dem Siegerteam, das in diesem Jahr den Paul-Ehrlich-Contest gewonnen hat. Seit Oktober trainiert sie mit ihren Teamkollegen die rund 25 Studierenden, die ihr Wissen bei einem Vorentscheid für den Paul-Ehrlich-Contest 2017 messen. „Wir wollen unbedingt, dass das neue Berliner Team wieder den Pokal gewinnt. Deshalb üben wir einmal pro Woche mit dem Nachwuchs.“

Wissen, buzzern, punkten

Rund 15 Teams mit je fünf Teilnehmern treten beim Paul-Ehrlich-Contest in fünf Kategorien gegeneinander an. Dabei müssen die Medizinstudenten Blickdiagnosen stellen, Multiple-Choice-Fragen beantworten, klinische Fälle und praktische Aufgaben lösen und Differenzialdiagnosen finden  – und das so schnell als möglich. Denn wer zuerst buzzert, darf antworten und Punkte sammeln. Bei falschen Antworten gibt es Abzüge.

„Der Wettbewerb setzt viel Leidenschaft und Emotionen frei“, beschreibt Claudia Krsiakova. „Es liegt reichlich Spannung in der Luft und der Puls rast.“ Die Atmosphäre des Austragungsortes ist erfüllt vom Gewisper der Teams und den lauten Geräuschen der Buzzer. Die Nerven sind zum Zerreißen angespannt. „Das überschüssige Adrenalin sorgt schon mal für Zankereien unter den Teams. Schließlich will jeder gewinnen. Aber gerade das macht den Spaßfaktor aus.“

Den Oberärzten den Rang ablaufen

Der Verantwortliche der kommenden Austragung des Contests, Prof. Dr. Johannes Schulze von der Goethe Uni in Frankfurt, weiß, dass der Wettbewerb eine optimale Vorbereitung auf die medizinische Wirklichkeit ist. „Die Anforderungen gleichen denen im späteren Berufsleben“, sagt der Dozent. „Manche Aufgaben sind so anspruchsvoll, dass selbst der eine oder andere Oberarzt sie nicht lösen könnte.“

Wissen macht Spaß

Doch genau diese Herausforderungen findet Claudia Krsiakova spannend. „Man muss wirklich tief in die Themen einsteigen. Jeder aus dem Team spezialisiert sich auf fünf bis sechs Fachrichtungen. Einer alleine könnte das Lernpensum für alle in Frage kommenden medizinischen Bereiche nicht schaffen“. Nächtelang hat sie sich gemeinsam mit ihren Teamkollegen vorbereitet. „Das schweißt zusammen. Wir sind alles Leute, die Medizin auch als ihr Hobby ansehen.“

Dr. Axel Schunk, Lehrkoordinator der Berliner Charité, möchte möglichst viele Medizinstudenten anregen, an den aktuellen Trainings teilzunehmen – zumindest als Zuschauer. „Die Wissensfragen sind aufgeteilt nach Studienjahren und werden entsprechend immer kniffliger. Hier kann man extrem viel lernen. Neben dem Spaß, sich mit anderen Teams zu messen, ist der Contest zudem eine sehr gute Vorbereitung auf das 2. Staatsexamen.“

Teil der Crème de la crème werden

Die Vorbereitungen auf den Contest im nächsten Juli laufen an allen teilnehmenden Fakultäten schon jetzt auf Hochtouren. Wer hat am Ende die Ehre, die eigene Fakultät in Frankfurt zu vertreten? Diese Frage geistert schon jetzt durch die Hörsäle. Die Berliner Trainings-Teilnehmer entscheiden am Ende des Wintersemesters gemeinsam, wer als Charité-Team nach Frankfurt fährt.

An der Goethe Uni läuft das Auswahlverfahren anders. „Jeder, der an den Vorbereitungen teilnimmt, schreibt am Ende fünf Namen auf, die seiner Meinung nach am Wettbewerb teilnehmen sollten. Daraus filtert sich dann das finale Team“, sagt Prof. Schulze.

Fast so berühmt wie Dr. House

Die Ehrentafel mit dem Foto von Claudia und ihrem Team hängt inzwischen im Lernzentrum der Charité. „Wir sind von vielen Kommilitonen und Dozenten beglückwünscht worden“, freut sie sich. „Ich würde immer wieder mitmachen, wenn ich dürfte.“

Letzte Frage an Claudia: Und woran leidet nun die Sozialarbeiterin? „An einer paraneoplastischen zerebellären Degeneration bei Ovarial-Karzinom - eine durch Eierstock-Krebs ausgelöste Autoimmunreaktion, die das Kleinhirn angreift.“

Darauf muss man erst einmal kommen …

 

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