Wo die Abiturnote kein Hindernis ist

Riccardo Schmidt in Split
Riccardo Schmidt auf Entdeckungstour
  • Studium & Lernen
  • 08.12.2017

Studieren, wo andere Urlaub machen: Um dem Ärztemangel zu begegnen, kooperiert der REGIOMED-Gesundheitsverbund seit 2016 in der Medizinerausbildung mit der Universität im kroatischen Split. Der 27-jährige Riccardo Schmidt aus dem thüringischen Neuhaus am Rennweg hat sich in diesem Jahr als einer von 30 Kandidaten unter etwa 100 Bewerbern im Auswahlverfahren der qualifiziert. Seit Oktober 2017 studiert er im Rahmen der Medical School REGIOMED an der University of Split School of Medicine.

Wieso hast du dich für das Ausbildungsprogramm der Medical School REGIOMED beworben?

Ich hatte mich regulär via hochschulstart.de beworben, hätte aber vermutlich einige Jahre auf einen Studienplatz in Deutschland warten müssen. Also war ich erst einmal als Hotelfachmann tätig und habe nach dem Abitur eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger begonnen. Dann hörte ich von dem Programm von REGIOMED. Das ist für mich sehr attraktiv, weil ich mich meiner Heimat sehr verbunden fühle und gerne als Arzt in der eigenen Region tätig werden möchte.

Wie schätzt du das Auswahlverfahren der Medical School REGIOMED ein?

Der größte und entscheidende Unterschied zu dem auf NC- bzw. Wartesemestern basierende Auswahlverfahren ist die individuelle Beurteilung der Bewerber im persönlichen Gespräch. Das führen Ärzte, die in den Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren der REGIOMED tätig sind. Sie nehmen sich sehr viel Zeit für die Bewerber. Bei diesem Verfahren bereitet man auch Referate vor und nimmt an Diskussionsrunden teil. Maßstäbe wie der Notendurchschnitt des Abiturs rücken so eher in den Hintergrund. Ich finde das viel zeitgemäßer. Außerdem werden bereits auf dem Vorweg für das Studium relevante Schlüsselkompetenzen abgefragt. Ein 1,0 Abitur ist eben noch kein Garant dafür, auch wirklich für ein Medizinstudium und die anschließende Tätigkeit als Arzt prädestiniert zu sein.

Welche Schlüsselkompetenzen sind das?

Eine ordentliche Motivation, Begeisterung für die Medizin und auch eine entsprechende Menge an Selbstvertrauen. Das Hauptaugenmerk beim Bewerbungsverfahren liegt auf der Persönlichkeit und den zwischenmenschlichen Fähigkeiten. Empathie, Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, alleine oder im Team über die eigenen Grenzen hinaus zu wachsen, sind wichtige Attribute, nach denen Ausschau gehalten wird.

Worin unterscheiden sich das kroatische und das deutsche Medizinstudium?

Im Gegensatz zum deutschen System beschäftigen wir uns hier jeweils über einen gewissen Zeitraum mit nur einem einzigen Themengebiet. Dadurch taucht man sehr intensiv in den Lernstoff ein. Außerdem verteilen sich die Prüfungen über das ganze Jahr, da wir sie direkt nach Abschluss der entsprechenden Lektionen, Praktika und Seminare ablegen. Das erspart uns auch den ständigen Wechsel zwischen verschiedenen Fachbereichen.
 

Unistadt Split

Ist es nicht anstrengend, alles auf Englisch lernen zu müssen?

Das war in der Tat auch meine größte Sorge, bevor ich mich für das Programm bewarb. Ich war immer ein recht guter Englischschüler, aber nie wirklich herausragend. Seit ich hier bin und nahezu jedes Gespräch auf Englisch führe, muss ich zugeben: es ist wirklich weit weniger problematisch ist als zuvor vermutet.

Wie fühlt sich das Leben in Split an?

Durch mehrere Urlaube kannte ich schon einige Ecken Kroatiens und wusste, was mich erwartet. Split liegt an der Adria und ist umwerfend schön und kulturell vielfältig. Dazu befinden sich im Hinterland der rund 175.000 Einwohner-Metropole mehrere Gebirgszüge, was für spannende Freizeitmöglichkeiten sorgt. Allerdings muss man sich an die fremde Sprache und die andere Währung erst gewöhnen. Das gilt auch für die behördlichen Abläufe – sie wirken noch ein bisschen wie früher in der DDR.

Wie finanzierst du dein Studium?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt, der vor einer Bewerbung gut durchdacht sein sollte. Denn jedes Studienjahr an der University of Split kostet 9.000€ (Stand 2017). Ich finanziere mein Leben mittels Auslands-BAföG. Die Studiengebühren übernimmt REGIOMED über ein Stipendium, und zwar in vollem Umfang. Im Gegenzug habe ich mich verpflichtet, die sechsjährige Facharztausbildung nach Abschluss des Studiums in einer der REGIOMED-Kliniken zu absolvieren.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in Kroatien?

Lebensmittel-, Benzin- und Eintrittspreise liegen nur knapp unter dem mitteldeutschen Durchschnitt und auch die Mieten sind inzwischen fast so hoch wie in Oberfranken und Südtthüringen, aber deutlich günstiger als in deutschen Uni-Städten. Was die Autobahnnutzungsgebühr angeht, stehen mir bei jeder Heimfahrt die Haare aufs neue zu Berge.

Welche beruflichen Ziele hast du?

Drei Jahre studiere ich jetzt erst einmal an der Universität in Kroatien, dann kehre ich für den überwiegend klinischen Teil der Ausbildung zurück nach Deutschland an die REGIOMED Kliniken. Die Ausbildung findet grundsätzlich in allen Häusern statt. Nach dem insgesamt sechsjährigen Studium und einer erfolgreichen Approbation würde ich meine Facharztausbildung gerne in der Notfallmedizin absolvieren und später in einer ländlichen Gegend tätig werden. Es ist nicht nur meine Verbundenheit zur Natur und den Menschen: auch die Ruhe und die unzähligen Sportmöglichkeiten fernab der Großstädte finde ich überaus attraktiv.

 


Der bundeslandübergreifende Gesundheitsverbund REGIOMED besteht aus fünf Akutkliniken mit insgesamt über 1.350 stationären Betten. Stationiert sind diese an sechs Standorten in Oberfranken und Südthüringen. Hinzu kommen elf medizinische Versorgungszentren an 15 Standorten, der bodengebundene Rettungsdienst im Landkreis Sonneberg sowie sieben Seniorenzentren und zwei Heime für psychisch betroffene Menschen. Der Klinikverbund versorgt mit fast 5.000 Mitarbeitern jährlich rund 68.000 Patienten stationär und 90.000 ambulant. Um die ärztliche Versorgung in den ländlichen Regionen auch zukünftig gewährleisten zu können, gründete der kommunale Verbund im Jahr 2016 die Medical School REGIOMED in Kooperation mit der Universität Split in Kroatien.

 

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