Urologie: Mehr als nur "Männermedizin"

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  • Beruf & Karriere
  • 29.06.2017

5883 berufstätige Urologen gibt es laut einer aktuellen Studie der Bundesärztekammer in Deutschland. Nur 989 von ihnen sind Frauen! Dazu gehört Dr. Alexandra Pust. Die Hamburgerin erzählt, welche Aufgaben sie als "vermeintlicher" Männerarzt hat und warum Urologinnen für viele Patienten oft die besseren Ansprechpartner bei intimen Gesundheitsproblemen sind. Weitere Informationen über die Fachrichtung findest du in unserem Steckbrief.

Frau Dr. Pust, die Urologie gehört nicht zu den begehrtesten medizinischen Fachrichtungen. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Die Urologie hat eine sehr große Bandbreite und ist entsprechend vielseitig. Das betrifft sowohl die Diagnostik als auch die Patientenklientel. Ich behandle Männer, Frauen und Kinder, die mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern zu mir in meine Praxis kommen.

Was sind die Hauptgründe, die Patienten in eine urologische Praxis führen?
Es kommt auf das Geschlecht an. Bei den weiblichen Patienten sind es meistens wiederkehrende Blasenentzündungen. Bei den männlichen Patienten sind es oft Prostatabeschwerden, Potenzstörungen und Krebsvorsorgen.

Was sind die größten Vorurteile gegenüber der Urologie?
Viele glauben, dass nur Männer zum Urologen gehen, die mit ihrem Katheterbeutel in der Hand im Wartezimmer sitzen. Das entspricht natürlich nicht der Realität! Wenn man einen Blick in meine Praxisräume wirft, dann sieht man dort sogar Babies.

Welche Stärken braucht man im urologischen Fachbereich?
Man muss ein gutes Händchen für sämtliche intimen Probleme haben. Eine weitere Herausforderung ist, Patienten die Angst vor der Urologie zu nehmen und aus den vielen täglichen Kontakten die wirklich schwerwiegenden Erkrankungen herauszufiltern.

Was war die größte Herausforderung während Ihrer Facharztausbildung?
Die Mitteilung von schwerwiegenden Diagnosen und während des Nachtdienstes fremde Menschen anzurufen, um ihnen mitzuteilen, dass ein Angehöriger verstorben ist.

Die Urologie ist immer noch eine Männerdomäne. Hatten Sie jemals Schwierigkeiten mit Ihren männlichen Kollegen?
Nein, ich hatte bis jetzt noch keinerlei Schwierigkeiten mit den männlichen Kollegen, eher mal mit den weiblichen.

Fällt es Ihren Patienten leichter, mit einer Frau über ihre gesundheitlichen Probleme zu sprechen als mit einem männlichen Urologen?
Ich habe sehr viele Patienten, die sich EXTRA eine Ärztin suchen. Das gilt gleichermaßen für Männer und Frauen. Weibliche Patienten ziehen es oft vor, eine Zystoskopie lieber von einer Urologin durchführen zu lassen. Es gibt auch viele Männer, die ihre Erektionsprobleme lieber mit einer Frau besprechen als mit einem Mann, den man als Konkurrenten ansehen könnte.

Wie gehen Sie mit "gehemmten" männlichen Patienten um?
Ich versuche immer, die Stimmung aufzulockern und das gelingt mir zum Glück gut! Denn jeder Patient hat neben seinem urologischen Problem etwas Persönliches, dass ihn gerade beschäftigt. Sei es, dass er gerade für den Marathon trainiert oder eine Prüfung machen muss. Darauf gehe ich dann ein und kann so den Damm brechen.

Was war das netteste Kompliment, das Ihnen ein Patient gemacht hat?
Ich bekomme tatsächlich immer mal wieder gesagt, dass ich so einen tollen und unkomplizierten Umgang hätte, dass es leicht fällt, mit mir zu reden.

Welchen Ratschlag können Sie angehenden Urologen mit auf den Weg geben?
Sie sollten versuchen, sich nicht selber zu sehr zu überfordern. Es ist wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein und sich nicht zu sehr zu überschätzen.

Haben Sie Ihre Entscheidung, als Urologin tätig zu sein, je bereut?
Nein, wenn ich nochmals auf die Welt kommen würde, dann würde ich wieder Urologin werden!

 

Steckbrief Urologie

Weiterbildungszeit
Die Weiterbildungszeit beträgt 60 Monate, davon müssen mindestens 48 Monate in der Urologie absolviert werden. Optional können zwölf Monate in der Chirurgie (stationäre Versorgung), maximal sechs Monate in einem anderen Fachgebiet und maximal zwölf Monate in der ambulanten Patientenversorgung geleistet werden. Die Bundesärztekammer hat die Inhalte der Weiterbildung in einem Logbuch festgelegt.

Tätigkeit
Von der Blasenentzündung bis zum Prostatakrebs: Das Tätigkeitsfeld eines Urologen umfasst die Diagnose und Therapie von Erkrankungen und Verletzungen des männlichen Urogenitalsystems und der weiblichen Harnorgane.

Berufsaussichten
Bestens! Durch die demographische Entwicklung der Gesellschaft und die steigende Lebenserwartung der Menschen wird es zu einem verstärkten Aufkommen älterer Patienten kommen. Laut des Zentralinstitutes für kassenärztliche Versorgung ist der altersbedingte Anstieg über alle anderen Fachgruppen hinweg in der Urologie mit 20 Prozent am höchsten - und zwar mit Abstand! Die Urologie ist somit das größte Zukunftsfach in der Medizin.

Weitere Informationen
Mehr Informationen über den Tätigkeitsbereich erhältst du auf dem Webportal des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V.

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