Das Studenten-Magazin der apoBank

Stipendien für jede Studienphase

  • Leben & Finanzen
  • 05.07.2019

Talent und Engagement sind schön und gut. Doch wer ein Stipendium sucht, braucht vor allem starke Nerven denn die Förderlandschaft ist unübersichtlich. Wir haben sie nach Angeboten für Heilberufler durchforstet. Da ist für jeden etwas dabei, vom Erstsemester bis zum Doktoranden.

Lediglich fünf Prozent der deutschen Studierenden bessern ihr Budget mit einem Stipendium auf – so ermittelte es das Deutsche Studentenwerk in seiner 21. Sozialerhebung. Offenbar geht da noch mehr: Über 2.500 Förderer stellen laut der Onlineplattform mystipendium.de jedes Jahr insgesamt rund 600 Millionen Euro zur Verfügung. Es fehle aber oft an passenden Bewerbern, um alle Mittel auszuschöpfen, sagen Stiftungen.

Viele Studierende sind sich vermutlich gar nicht bewusst, dass sie Chancen auf einen Zuschuss hätten. Ein weiteres Problem: Die Stipendienlandschaft ist sehr vielfältig; kleinere, regionale oder themenbezogene Förderprogramme sind wenig bekannt. Unser Überblick zeigt, mit welchen Stipendien Studierende der Heilberufe ihre Finanzen aufstocken können. Vollständig ist die Übersicht allerdings nicht: Wer´s genau wissen will, recherchiert am besten immer aktuell.
 

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Leistungsstärke und Engagement gefragt

Im Rahmen des Deutschlandstipendien-Programms fördert die apoBank-Stiftung an mittlerweile neun Hochschulen angehende Heilberufler. Stipendiaten erhalten 300 Euro monatlich für mindestens zwei Semester bis zum Ende der Regelstudienzeit - zur Hälfte beteiligt sich der Bund. Die Stipendien-Vergabe regeln die beteiligten Hochschulen.

Erfahren, welche Hochschulen sich beteiligen

Grundeinkommen: Allgemeine Studienfinanzierung

Helle Köpfe, die ehrenamtlich tätig sind, haben gute Karten bei den 13 Begabtenförderungswerken. Dahinter stehen überwiegend parteinahe oder konfessionelle Stiftungen, die Fördergelder des Bundesbildungsministeriums vergeben. Die Grundstipendien betragen bis zu 735 Euro monatlich, meist bis zum Studienende. Spezielle Aufschläge, zum Beispiel für Auslandssemester, kommen hinzu.

Ähnliche Bewerbungskriterien gelten für das Deutschlandstipendium. Mehr als 7.000 private Förderer beteiligen sich an dem Programm des Bundes, darunter auch die apoBank-Stiftung. In der Regel erhalten Studierende über ein Jahr hinweg einen Zuschuss von 300 Euro im Monat.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schätzt, dass im Jahr 2030 mehr als 10.500 Hausärzte fehlen könnten, vor allem auf dem Land. In Krankenhäusern abseits der Ballungsräume ist die Lage oft ähnlich angespannt. Einige Bundesländer und Klinikgruppen unterstützen deshalb Medizinstudierende, die sich verpflichten, später in einer weniger beliebten Region zu arbeiten. Solche Programme betreiben zum Beispiel die Bayerische Landesregierung, verschiedene Landkreise wie Coburg oder Freudenstadt, Klinikgruppen wie Helios Region Nord oder Arberland Kliniken.

Einige Kliniken wollen gezielt unterbesetzte Fachbereiche stärken. Beispielsweise vergeben das AöR Landeskrankenhaus Rheinland-Pfalz, die LWL-Kliniken Marsberg und ZfP Südwürttemberg Stipendien für Studierende, die sich nach dem Abschluss in der jeweiligen Klinik auf Psychiatrie spezialisieren möchten.

Du studierst Humanmedizin, hast gute Noten und engagierst dich sozial- oder berufspolitisch? Dann kannst du bei der Friedrich-Thieding-Stiftung des Hartmannbundes anklopfen. Jedes Jahr wählt sie zwei Stipendiaten aus und unterstützt sie zwölf Monate lang mit je 250 Euro. 

Exklusive Programme für Zahnmediziner sind rar. Wer es nicht nur bei den Jedermann-Förderprogrammen versuchen möchte, kann sich an den Deutschen Zahnarztservice wenden. Der Personaldienstleister für Dentisten fördert jährlich drei Studierende mit Einmalzahlungen von bis zu 1.000 Euro. Hier hat eine Online-Community das letzte Wort darüber, welche Bewerber ein Stipendium erhalten.

In heilberuflichen Studiengängen kommt es nicht selten vor, dass Erstsemester eine Berufsausbildung und erste Arbeitsjahre hinter sich haben. Das Aufstiegsstipendium des Bundesbildungsministeriums hilft diesen Studierenden, ihren Lebensstandard halbwegs zu halten: mit 815 Euro pro Monat plus Kinderzulagen. Teilzeitstudierende werden derzeit mit 200 Euro monatlich gefördert.

Eine Reihe von Programmen soll gezielt sozial Schwächeren oder Benachteiligten eine akademische Laufbahn erleichtern.

Beispielsweise fördern einige Begabtenförderungswerke wie die Heinrich-Böll-Stiftung oder die Rosa-Luxemburg-Stiftung bevorzugt Arbeiterkinder, Studierende aus Einwandererfamilien, Menschen mit Behinderung oder bedürftige Eltern.

Speziell an Studierende mit Handicap richten sich die Kufner Stiftung und die Anni und Keyvan Dahesch-Stiftung. Die Karl und Charlotte Spohn Stiftung setzt sich für blinde und sehbehinderte Menschen in Hamburg und Berlin ein.

Zugunsten von Alleinerziehenden und anderen Bedürftigen gibt es verschiedene regionale Initiativen, darunter die Balserische Stiftung in Gießen oder die Stipendien-Stiftung Rheinland-Pfalz, bei der sich man sich über die jeweilige Hochschule bewerben kann (Beispiel Universität Koblenz-Landau). Die Peter-Fuld-Stiftung spendiert leistungsstarken Einwandererkindern Geld für den Studienendspurt an einer hessischen Hochschule.

Studierende, deren Eltern verstorben sind, können Hilfe von der August-Schmidt-Stiftung bekommen. Kinder von Medizinern, die nach einem Schicksalsschlag in finanzielle Not geraten, werden von der Friedrich-Thieding-Stiftung des Hartmannbundes unterstützt. Die Hans-Jürgen Schulz Stiftung steht Halb- und Vollwaisen zur Seite, die Human- oder Zahnmedizin studieren.

Ausschließlich ideelle Leistungen erhalten Schützlinge der Deutschlandstiftung Integration. Unter anderem vernetzt sie Studierende mit Migrationsgeschichte mit Mentoren aus der Wirtschaft.

Zuschüsse für Famulatur, Praktikum und PJ

Wer in einer Famulatur das Landarztleben kennenlernen möchte, kann sich bei den meisten Kassenärztlichen Vereinigungen um ein Stipendium bewerben, etwa bei der KVB Bayern, der KV Brandenburg oder der KV Rheinland-Pfalz.

Mit RISE Weltweit unterstützt der DAAD Forschungsaufenthalte von Studierenden naturwissenschaftlicher und heilberuflicher Fächer. Das Programm vergibt in der Regel ansehnliche Monatsstipendien, die je nach Land variieren. Ein Teil der Reisekosten und verschiedene Versicherungen sind ebenfalls abgedeckt.

Auch das Erasmus-Programm der EU greift Auslandspraktikanten unter die Arme. Wichtig ist, dass man die maximale Erasmus-Förderdauer noch nicht ausgeschöpft hat. Für Mediziner und andere Fächer, die mit Staatsexamen abschließen, beträgt das Limit allerdings großzügige 24 Monate und spielt somit kaum eine Rolle.

Zu den bekanntesten privaten Geldgebern zählen die Bayer Stiftungen. Das Otto Bayer Stipendium und das Carl-Duisberg-Stipendium fördern gezielt junge Mediziner, Pharmazeuten und Veterinäre, die es für ein Praktikum oder eine Famulatur in die Ferne zieht.

Neben solchen bundesweit verfügbaren Stipendien gibt es auch regionale Fördertöpfe für Praktika in bestimmten Ländern, etwa die Mobilitätsbeihilfe des Bayerischen Hochschulzentrums für China.

Jeder dritte Allgemeinmediziner in Deutschland ist laut Bundesärztekammer über 60 Jahre alt und wird in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Verschiedene Förderer wollen künftigen Ärzten das Fachgebiet schmackhaft machen. Zum Beispiel bezuschussen die Stiftung Perspektive Hausarzt Baden-Württemberg und Kassenärztliche Vereinigungen wie die KV Niedersachsen ein Praktisches Jahr in der Allgemeinmedizin.

Internationale Erfahrung mit Berufspraxis verbinden, das können PJ-ler mit Hilfe des DAAD-Jahresstipendiums. Bewerben können sich Mediziner, die mindestens acht Monate ihres Praktischen Jahrs im Ausland absolvieren.

Auch Begabtenförderungswerke wie etwa das katholische Cusanuswerk vergeben Zuschüsse für ein internationales PJ.

Wie viel Geld darf ich neben dem BAföG beziehen?

Stipendiaten der Begabtenförderungswerke haben keinen Anspruch auf BAföG. Wer Geld aus einem anderen Fördertopf erhält, muss genau hinsehen. Die Ausbildungsbeihilfe gilt als Einkommen und kann angerechnet werden. Mehr dazu findest du auf den Seiten des BAföG-Rechners.

Volle Reisekasse: Auslandsstipendien

Internationale Erfahrung nützt der Karriere, kann aber auch teuer werden: Reisekosten, teilweise höhere Alltagsausgaben und eventuell Studiengebühren fließen in die Rechnung ein. Nicht zuletzt können Auslandsaufenthalte das Studium verlängern. Gute Gründe also, sich nach einem finanziellen Zuschuss umzusehen. Mehr zum Thema Auslandsstipendien findest du hier.

Für Forscher und Doktoranden

Wissenschaftliche Arbeit ist für dich mehr als ein To-do auf dem Weg zum Abschluss? Damit gute Forschung keine brotlose Kunst bleibt, vergeben zahlreiche Institutionen Stipendien für Promotionen und andere wissenschaftliche Projekte. Unser Artikel zu Forschungsstipendien zeigt, wo es Zuschüsse für Heilberufler gibt.

 

Tipps für die Recherche

Im Netz findet man verschiedene Stipendiendatenbanken, in denen die meisten Förderprogramme für Studierende in Deutschland gelistet sind:

  • www.stipendienlotse.de ist ein Angebot des Bundesbildungsministeriums, das einen Großteil der Stipendienlandschaft abbildet.
  • www.mystipendium.de bezeichnet sich als Social Startup. Die Seite bietet eine umfangreiche Datenbank sowie Tipps und standardisierte Formulare für die Bewerbung.
  • www.stipendiumplus.de, ein weiteres Portal des Bundesbildungsministeriums, informiert über Stipendien der Begabtenförderungswerke.
  • www.deutsches-stiftungszentrum.de, eine Seite des Stifterverbands, bietet die Option, themenbezogene Förderprogramme zu recherchieren.

Es lohnt sich, mehrere Seiten zu durchforsten, da die Ergebnisse nicht deckungsgleich sind. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, per Suchmaschine im Internet zu recherchieren, etwa wenn es um spezielle Forschungsthemen oder um Stipendien fürs Ausland geht.

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