Masterplan Medizinstudium 2020: Nicht schlecht - aber...

Masterplan Medizinstudium 2020
  • Studium & Lernen
  • 01.06.2017

Große Worte, große Pläne. Im März stellte Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka in Berlin den "Masterplan Medizinstudium 2020" vor. Er rüttelt an den Grundfesten des Medizinstudiums. Wie steht die Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) zu den Neuerungen?

Gefordert werden im Masterplan 2020 unter anderem ein erweiterter Studienzugang, mehr Allgemeinmedizin, mehr kommunikatives Know-how, mehr Praxisbezug und Änderungen im praktischen Jahr.

Gegen solche Neuerungen hat Carolin Siech vom bvmd zunächst einmal gar nichts. "Im Studium sollten schon früh praktische und theoretische Inhalte gemeinsam vermittelt werden, schon in den vorklinischen Semestern sollte Kontakt zu den Patienten hergestellt werden", sagt die Sprecherin des bvmd am Rande des 120. Ärztetages. Dennoch gibt es Punkte, die der bvmd kritisch sieht.

Umstrittenes ambulantes Pflichtquartal

So will der Masterplan zum Beispiel die Architektur des praktischen Jahres verändern: Es soll auf vier Ausbildungsabschnitte zu je zwölf Wochen umgestellt werden. Innere Medizin und Chirurgie bleiben als Pflichtfächer erhalten, hinzu kommen zwei Wahlfächer, von denen mindestens eines im ambulanten Bereich absolviert werden soll. Weil die Allgemeinmedizin zugleich zum dritten Pflichtprüfungsfach wird, dürfte für viele Kandidaten eines der beiden Wahlfächer im PJ ziemlich nahe liegen: die Allgemeinmedizin.

"Wir halten es für geboten, dass Studierende auch den ambulanten Bereich kennenlernen und nicht nur den Klinikalltag", kommentiert Carolin Siech. Allerdings fürchtet sie, dass die neue Regelung den jungen Ärzten in Zukunft auch weniger Auswahl bietet. Siech möchte, dass man einen Teil des PJ z.B. auch in der Ambulanz der Hochschulklinik oder im Ausland absolvieren kann. "Das wäre mit einem zusätzlichen Pflichtquartal in Kassenpraxen nicht mehr möglich."

Landarzt werden - bloß nicht?!

Zusätzlich bekommen die Hochschulen ein neues Werkzeug in die Hand, um Studienanfängern das Landarztleben schmackhaft zu machen: Die Landarztquote. Das bedeutet, die Fakultäten können vorab zehn Prozent ihrer Studienplätze an Bewerber vergeben, die sich schon vor der ersten Vorlesung verpflichten, nach dem Studium bis zu zehn Jahre als Hausarzt in schlecht versorgten Gebieten zu arbeiten. Die Mindestzeit für eine Verpflichtung ist je nach Bundesland unterschiedlich.

Für Carolin Siech ist dies ein schlechtes Werkzeug. "Von einer Landarztquote halten wir nichts!", sagt sie rundheraus. "Denn da besteht die Gefahr, dass Studienanfänger über diese Quote ins Studium kommen und am Schluss doch nicht Landarzt werden und lieber die Entschädigung zahlen." Sie hätten sich quasi ins Studium hineingekauft. "Außerdem: Wer sollte zehn Jahre und länger im Voraus seine Berufslaufbahn festlegen wollen?", ergänzt Siech. "Besser wäre es, an den Arbeitsbedingungen vor Ort zu arbeiten, sodass die jungen Ärzte von allein aufs Land gehen und nicht verpflichtet werden müssen."

Siech denkt dabei an Arbeitsmöglichkeiten auch für den Partner, möglichst geregelte Arbeitszeiten, damit Zeit für die Familie bleibt, Vertretungsregelungen vor Ort, etc. Kurz: gute Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Mit ihren Vorstellungen liegt Siech übrigens ganz auf der Linie der Delegierten des Ärztetages. Denn der hat die Landarztquote mit großer Mehrheit abgelehnt und forderte stattdessen mindestens zehn Prozent mehr Studienplätze, um dem aufkommenden Ärztemangel zu begegnen.

Abi-Note nicht mehr allein ausschlaggebend

Neben der Landarztquote soll auch ein erweiterter Studienzugang frische Erstsemester ins Studium spülen, so der Masterplan. Heißt: Zukünftig werden Bewerber nicht mehr nur nach dem NC ausgesucht. Für die Autoren des Plans sagt die Note nämlich zu wenig darüber aus, ob die Kandidaten das Studium stemmen können und einmal gute Ärzte werden. Das dürfte jeder Studierende bestätigen können. Deshalb sollen die Hochschulen neben der Abitur-Note wenigstens zwei weitere Kriterien anlegen, um ihre Bewerber zu prüfen, zum Beispiel die Tätigkeit in einem anderen medizinischen Beruf oder soziale Kompetenzen.

Patientenkommunikation auf den Lehrplan

"Ähh, tja, also..." - und wie sag ich's dem Patienten? Auch hier strebt der Masterplan nach größerem Know-how der angehenden Ärzte. Sie sollen verstärkt lernen, wie sie mit ihren Patienten (und untereinander) sprechen. Kommunikation, also. Für Carolin Siech eine Selbstverständlichkeit. Aber: Wenn schon, denn schon. Patientenkommunikation sei natürlich ein wichtiger Aspekt, meint Siech, "aber sie sollte nicht nur in theoretischen Seminaren gelehrt werden, sondern direkt am Patienten."

Einer umfassenden Studienreform ist der bvmd also nicht abgeneigt. Aber vor allen Dingen haben Siech und ihre Mitstreiter im bvmd bei aller Reformfreundlichkeit eines im Auge: Das Studium soll nicht zu theorielastig werden und stärker "das Handwerk des Mediziners" lehren.

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