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Wie Medizinstudierende für den Klimaschutz kämpfen

Studierende und Ärzte beim großen Klimastreik am 20. September 2019 in Berlin; Foto: Health for Future, Dominik Butzmann
  • Studium & Lernen
  • 24.09.2019

Weltweit protestieren Jugendliche und Studierende für besseren Klimaschutz. Die Fridays for Future-Bewegung wächst: Beim globalen Klimastreik im September waren allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf den Straßen – darunter auch viele Medizinstudierende. Warum angehende Ärzte prädestinierte Klima-Aktivisten sind, erklären Sylvia Hartmann vom bvmd-Projekt Mensch und Umwelt und Fabia Roth von den Charité Studis For Future.

1. Schlagende Argumente

Viele Menschen in Deutschland sehen inzwischen den Klimawandel als das wichtigste politische Thema. Doch Aktivistinnen wie Sylvia Hartmann befürchten: Wenn es um Veränderungen geht, die den heutigen Lebensstil infrage stellen, werde die Mehrheit das 1,5-Grad-Ziel des UN-Klimaschutzabkommens nicht mehr ganz so ernst nehmen. Anspruch und Handeln klaffen darum auch in der Politik noch weit auseinander. „Wir sehen hier immer noch ein großes Wissensdefizit“, sagt die Studentin. „Auch ein nur geringfügig wärmeres Klima wird sich spürbar auf uns Menschen auswirken, unter anderem auf die Gesundheit. Darüber wollen wir als Medizinstudierende aufklären. Zum Beispiel wird die Pollensaison länger und damit Allergien verstärkt – Pflanzen wie die Ambrosia, deren Pollen noch aggressiver wirken, werden in unserer Region heimischer. Es wandern Mückenarten ein, die Malaria übertragen können. Außerdem sterben schon jetzt Menschen durch Hitze. Die WHO schätzt, dass im Jahr 2030 weltweit jährlich 38.000 Senioren allein an den Folgen von Hitze sterben werden. Den meisten Menschen ist ihre Gesundheit sehr wichtig – wenn wir sie über die Folgen informieren, begreifen sie eher: Der Klimawandel betrifft nicht nur andere Erdteile, sondern auch uns als Person in Deutschland.“
 

2. Ansehen verpflichtet

„Menschen setzen großes Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte. Wir haben als Berufsgruppe also eine große Verantwortung, zu der auch wir Studierende schon unseren Beitrag leisten können“, findet Fabia Roth. Ähnlich sehen das die Aktiven der Initiative Health for Future und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit, die sich mit Fridays for Future (FFF) solidarisieren.

3. Halbgötter aufrütteln

Der Gesundheitssektor produziert rund fünf Prozent der klimaschädlichen Emissionen Deutschlands, global sind es gut vier Prozent – mehr als der gesamte Flugverkehr. „Leider scheint das Thema bei den Verantwortlichen noch nicht den Stellenwert zu haben, den es haben müsste, damit sich im Sinne des Klimaschutzes etwas verändert", meint Fabia. „Zum Beispiel setzen viele Krankenhäuser in der Anästhesie das extrem klimaschädliche Gas Desfluran ein. Dazu gibt es Alternativen.“ An der Charité sind die Studierenden unter anderem in Kontakt mit der Umweltbeauftragten, um gemeinsam einen Dialog über mehr Klimaschutz an der Universität und in der Klinik anzustoßen.
 

Jährlich bis zu zehn Hitzewellen mehr

Seit 1881 ist es in Deutschland laut Deutschem Wetterdienst bereits durchschnittlich 1,4 Grad Celsius wärmer geworden. Selbst wenn der weitere Klimawandel moderat ausfällt, rechnen Experten damit, dass es bis zum Jahr 2100 jährlich fünf bis zehn Hitzewellen mehr geben wird. Was bedeutet das für die menschliche Gesundheit? Einen Überblick bietet das bvmd-Faktenblatt „Klimawandel und Gesundheit. Es basiert unter anderem auf Studienergebnissen, die im Medizinjournal „The Lancet“ erschienen sind.
 

4. Jeden Freitag Demo? Muss nicht sein

Für Proteste zu mobilisieren sehen die Aktivistinnen als eine der wichtigsten Aufgaben. „Wir haben bis jetzt viel Zeit in die Vorbereitung von Groß-Demos gesteckt, dieses Jahr zum Beispiel für die internationalen Klimastreiks am 25. Mai und am 20. September, wo in vielen deutschen Städten jeweils Zehntausende auf der Straße waren“, sagt Fabia. „Die Zahl der Studierenden, die sich beteiligen, nimmt weiter zu, aber es fühlen sich immer noch nicht genügend Leute angesprochen.“ Sich regelmäßig an den Klimastreiks von „Fridays for Future“ zu beteiligen, ist im Medizinstudium nicht so einfach – auch Fabia und Sylvia laufen nicht bei jeder Demo mit. „Es geht ja ums große Ganze. Man kann sich auch anderweitig für den Klimaschutz engagieren“, meint Sylvia. Das bvmd-Projekt veranstaltet zum Beispiel Workshops zu Klimawandel und Gesundheit (mehr Infos findest du hier). Auch an Großveranstaltungen wie dem Deutschen Ärztetag beteiligt sich die Gruppe mit Aktionen. Lokal betreiben die Charité Studis For Future Medienarbeit, etwa mit dem Videoprojekt „#NoMorePillePalle“, das die deutsche Klimapolitik als ineffizient anprangerte.

5. Fatalismus überwinden

Schon heute sind die Folgen der Erderwärmung spürbar. Sylvia gibt zu, dass ihr die Zukunft Sorgen bereitet: „Je mehr man sich mit einem Thema beschäftigt, desto mehr bekommt man das Gefühl, dass es schlimm um die Erde und unsere Gesundheit steht.“ Nichts zu tun, habe aber auch keinen Sinn. „Ich finde es wichtig, sich mit Leuten zusammen zu tun, die sich engagieren. Das macht dann trotz allem sehr viel Spaß.“ Sylvia ist der Ansicht, dass die Gesellschaft durch Klimaschutz nur gewinnen kann. „Man nennt das den no regrets Ansatz. Egal, was kommt – wenn wir jetzt zum Beispiel Städte begrünen und den Fahrradverkehr stärken, wird die Luft sauberer und der Lärm nimmt ab. Das sind die sogenannten Co-Benefits des Klimaschutzes. In der Debatte geht es viel zu oft um Verzicht, dabei können wir mit Klimaschutzmaßnahmen an Lebensqualität und Gesundheit gewinnen.“
 

Großes Thema, kleine Gruppe

Das Projekt „Mensch und Umwelt“ der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) besteht seit 2017. An der Gruppe beteiligen sich Aktive von fünf Universitäten in ganz Deutschland – der harte Kern besteht aus etwa zehn Studierenden. Hauptziel des Projekts ist die Aufklärung darüber, wie sich Umweltbelastungen auf die menschliche Gesundheit auswirken. Dabei geht es sowohl um globale Themen wie den Klimawandel als auch um gesundes Leben im Alltag. Hand in Hand mit dem bvmd-Projekt arbeitet die Gruppe „Charité Studis For Future“, die sich 2019 gegründet hat.
 

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